Verzicht auf geschlechtliche Vermehrung

25. Jänner 2004, 19:08
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Rädertierchen seit Jahrmillionen in vermeintlicher Sackgasse der Evolution - sie gedeihen prächtig

Washington - Ein winziges Wassertierchen verzichtet seit Millionen Jahren auf Sex - und gedeiht dabei nicht schlecht. Normalerweise gilt die ungeschlechtliche Fortpflanzung bei mehrzelligen Tieren als evolutionäre Sackgasse, die bald zum Aussterben führt. Doch die Rädertierchen der Gruppe Bdelloidae haben auch ohne Sex 370 verschiedenen Arten entwickelt, wie amerikanische Forscher in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften vom Dienstag nachweisen. Vermutlich kämen die nur bis zu einem halben Millimeter großen Planktontierchen schon seit 40 Millionen Jahren ohne Sex aus.

Um zu untersuchen, ob die Evolution der Bdelloidae tatsächlich asexuell erfolgte, konzentrierte sich das Team um Jessica Mark Welch vom Josephine Bay Paul Center in Woods Hole (US-Bundesstaat Massachusetts) auf das Hitzeschockgen hsp82 im Erbgut der Art Philodina roseola. Es durchsuchte das gesamte Genom des Wassertierchens nach hsp82 und fand insgesamt vier Kopien. Jede dieser Kopien liegt auf einem anderen Chromosom und hat charakteristische Eigenarten, so dass die Gene nicht paarweise von Vater und Mutter vererbt sein können. Stattdessen müssten sich diese Gene mindestens seit ein bis vier Millionen Jahren unabhängig voneinander entwickelt haben, schließt das Team.

Obwohl sich mehrzellige Organismen fast ausschließlich durch Sex fortpflanzen, gibt es hin und wieder Ausnahmen, wie die Forscher erläutern. Diese Tiere seien aber meist nach kurzer Zeit wieder ausgestorben, weil sie kaum Chancen haben, sich evolutionär zu verbessern und Artenreichtum zu entfalten. Mit ihrer Millionen Jahre langen Geschichte und der Ausbildung von hunderten Arten seien diese Rädertierchen eine Seltenheit, die ihresgleichen suche. (APA/dpa)

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    Philodina roseola

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