"Noch einmal einen Klassiker"

24. Jänner 2004, 11:30
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Ein Sponsor hält Thomas Frühmann den Steigbügel fürs Comeback

Wien - Die Adhesive AG, Marktführer im Verkauf von Isoliermaterial und Dämmstoffen, hat sich im Pferdesport längst einen Namen gemacht. Sponsert Turnier- serien, sponsert einzelne Events, unterstützt junge Dressur- und junge Springreiter. Thomas Frühmann mit seinen ab heute 53 Jahren hätte den Altersschnitt im Team freilich ordentlich gehoben, nun ist er also nicht Mitglied dieses Teams, sondern quasi außertourlich, aber schon für Adhesive unterwegs. Jedenfalls verhilft der neue Geldgeber dem ehemals erfolgreichsten Springreiter Österreichs zu einem Comeback. "Ich hab' wieder einen Antrieb", sagt Frühmann, "ich trag' wieder Verantwortung. Und ich zah' noch einmal richtig an."

Je dreimal hat Frühmann das Hamburger Springderby und den Audi-GP in Wien gewonnen, einmal in Aachen. Neun österreichische Meistertitel und 800 Siege in der Klasse "S" stehen zu Buche. Die größten Erfolge wie etwa olympisches Silber mit der Mannschaft und der Weltcupsieg (jeweils 1992) allerdings liegen geraume Zeit zurück. "Ich hab' zu spät begonnen, mich nach guten jungen Pferden umzusehen", muss Frühmann heute eingestehen, "und plötzlich waren die guten alten Pferde weg." Ein Grandeur und ein Genius ließen sich nicht ersetzen, Frühmann wurde aus dem Sattel gehoben. Neun Monate lang half er dem Verband als Bundestrainer, zuletzt verdiente er mit Unterrichten und dem Organisieren des Pferdefests seinen Lebensunterhalt.

Nun nimmt er sich nicht zuletzt an Hugo Simon ein Vorbild. "Wenn ich mir den anschaue, kann ich mir immer denken, dass ich noch neun Jahre lang Zeit habe." Freilich verfügt Simon über ein Ausnahmepferd namens E.T., das macht den Unterschied aus. Simon wollte schon aufhören, dann kam E.T. wieder in Form, nun macht der Reiter weiter, solange das Ross nichts dagegen hat. Frühmann hat derweil wieder drei, vier hoffnungsvolle Siebenjährige im Stall stehen, die größten Talente heißen Adhesive Millennium und Graffiti. "Die müssen heuer Farbe bekennen", sagt der Wiener. "Es gibt eine Schwelle, über die müssen sie drüber in diesem Alter, und dann sind sie Spitze."

Nicht nur in der Dressur, auch in der Springreiterei erzielen Spitzenrösser längst Preise jenseits der zwei Millionen Euro. Indes lässt sich die Qualität eines Reiters nicht nur an seinen Händen, sondern auch an seinem Auge, dem Blick für talentierte Jungpferde, ermessen. So hat E.T. seinerzeit bloß 21.000 Mark gekostet. Frühmann will "noch einmal einen Klassiker gewinnen", "wieder mitreiten". Deshalb wird er sich nicht nur aufs Pferd, sondern auch ins Auto setzen. "Einfach losfahren für zwei Wochen und noch einen Kracher suchen." Denn die Kracher, sagt er, "stehen irgendwo rum". (Fritz Neumann, DER STANDARD PRINTAUSGABE 21.1. 2004)

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