Iowa: Schlappe für Dean, Sieg für Kerry

26. Jänner 2004, 11:43
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Demokraten-Vorwahlen im Rennen um US- Präsidentschaft: Außenseiter Kerry punktet mit Kritik an Bushs Außenpolitik - Gephardt wirft das Handtuch

Noch vor wenigen Wochen war der Senator aus Massachusetts, John Kerry, von den US-Medien als chancenlos abgestempelt worden: In Iowa lag er in Umfragen weit hinter Exgouverneur Howard Dean und dem Kongressabgeordneten Dick Gephardt. In New Hampshire hatte ihn der Neueinsteiger Wesley Clark vom zweiten Platz vertrieben.

Kerry und John Edwards, Senator aus North Carolina, stellten in Iowa aber die sorgsam ausgeklügelten Wahlstrategien der demokratischen Parteispitze auf den Kopf und eroberten den Staat, in dem traditionell der erste politische Wettkampf ausgetragen wird, mit beeindruckenden Mehrheiten: Kerry gewann mit 38 Prozent, gefolgt von Edwards mit 32 Prozent. Dean fiel auf nur 18 Prozent zurück, Gephardt bekam nur elf. Er zog den logischen Schluss und zieht sich nach 27 Jahren im Repräsentantenhaus aus der Politik zurück.

Die von Kerry-Mitarbeitern verteilten Autoaufkleber "Date Dean, marry Kerry" (etwa: Habt ein G'spusi mit Dean, aber heiratet Kerry) haben die Stimmung in Iowa offenbar widergespiegelt. Viele Wähler in Iowa nannten Kerrys politische und militärische Erfahrung als Faktoren für ihre Entscheidung - aber auch den Umstand, dass er gegen Präsident Georg W. Bush gute Figur machen könnte. Dean hatte sich durch seine zuerst attraktive, später jedoch manchmal peinliche politische Naivität und sein ungezügeltes Temperament selbst geschadet.

Die zweite Erfolgsgeschichte von Iowa ist die des redegewandten und attraktiven John Edwards, der sich seit Beginn seines Wahlkampfes geweigert hatte, in die Schlammschlacht gegen seine Mitbewerber einzusteigen: Die Botschaft des 50-jährigen Millionärs aus dem Süden der USA war nicht nur hoffnungsvoll - er war auch der einzige ernsthafte Kandidat, der nicht nur die Mittelklasse ansprach, sondern sich auch für die Armen des Landes einsetzte.

Nicht aufgeben

Kerry, der ebenso wie Bill Clinton im Jahr 1992 nach endlosen Wahlversammlungen Stimmprobleme bekommen hatte, brachte einen weiteren Vergleich mit dem populären Expräsidenten: In Anlehnung an Clintons Ausspruch vom "Comeback Kid" bezeichnete er sich als "Comeback Kerry". Und er attackierte den amtierenden Präsidenten George W. Bush heftig: Bush betreibe eine Außenpolitik, die "arrogant, ungeeignet und skrupellos" sei. Dean kündigte an, dass er auf jeden Fall weiterkämpfen wolle: "Wir werden nicht aufgeben, nicht jetzt, niemals."

Der wirkliche Verlierer der Iowa Caucuses könnte jedoch jemand sein, der in Iowa nicht einmal kandidiert hatte: Wesley Clark, dessen wichtigstes Plus, nämlich seine militärische Karriere, von dem Vietnamhelden Kerry in den Schatten gestellt werden könnte. (DER STANDARD, Printausgabe, 21.1.2004)

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    John Kerry hat für den Wahlkampf sein Haus verpfändet.

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    Freude beim Vor-Wahlsieger in Iowa.

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