HVB: Geldregen durch Tafelsilber-Verkauf

27. Jänner 2004, 10:48
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Die bayrische HypoVereinsbank vollzog vergangenes Jahr ein radikales Sanierungsprogramm

Wien - Die Mutter der Bank Austria, die HypoVereinsbank erlebt turbulente Zeiten. Noch im Jahr 2002 musste die zweitgrößte Bank Deutschlands (hinter der Deutschen Bank) einen Verlust von rund 858 Mio. Euro verdauen

Der Grund: Hohe Verlustrisiken bei zahlreichen Krediten, hoher Verwaltungsaufwand und geringe Ausstattung mit Eigenkapital.

Der neue Vorstandschef Dieter Rampl, angetreten am 1. Jänner 2003, verordnete dem Konzern ein radikales Sanierungsprogramm. Dazu zählten der Abbau von mehreren tausend Arbeitsplätzen und der Verkauf zahlreicher Tochterfirmen. Heute, ein Jahr später, ist Rampls Liste weitgehend abgearbeitet: Er hat verkauft, abgespalten, geschlossen.

Gesteigerte Handlungsfähigkeit

Tatsächlich ist es Rampl gelungen, die für die Handlungsfähigkeit einer Bank so wichtige Kernkapitalquote von bedrohlichen rund fünf Prozent bei seinem Amtsantritt im Januar 2003 auf zuletzt knapp sieben Prozent zu steigern.

Dafür hat der Konzern allerdings bluten müssen: Der Verkauf des profitablen Verbraucherkreditinstituts Norisbank (für rund 400 Millionen Euro) sowie der Privatbanktöchter Bank von Ernst (rund 300 Millionen Euro) und Bethmann Maffei (110 Millionen Euro) allein hätte nicht gereicht.

Nur in Kombination mit der Börsenplatzierung von 25 Prozent der Anteile der Tochter Bank Austria, die eine Milliarde Euro einbrachte, reichten die Mittel aus, um die Kapitalbasis signifikant zu stärken.

Gleichzeitig leistete die Ausgliederung des gewerblichen Immobiliengeschäfts in der HypoRealEstate einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung des mit einst 350 Milliarden Euro größten Kreditbuchs in Europa.

Beherrschbares Niveau

Zwar ist die HVB mit zuletzt knapp 260 Milliarden Euro risikogewichteter Aktiva immer noch führend unter den deutschen Banken, doch Finanzexperten halten dieses Niveau mittlerweile für beherrschbar.

Spätestens die Veräußerung der Münchner Prestige-Immobilie "Fünf Höfe" kurz vor Weihnachten, die noch einmal knapp 300 Millionen Euro einbrachte, hat auch die Rating-Analysten etwas beschwichtigt.

Verkaufsprogrammweitgehend abgeschlossen

Die HVB hat ihr Verkaufsprogramm nun weitgehend abgeschlossen. Der geplante Verkauf der Beteiligung am Getränkekonzern Brau und Brunnen wurde jüngst ebenso gestoppt wie der Verkauf der BA-CA-Tochter Schoellerbank.

Der Verkauf der Fondsgesellschaft Activest steht nun ebenfalls nicht mehr zur Debatte. Ein Zusammengehen mit der Wiener Capital Invest wird überlegt. (DER STANDARD Printausgabe, 20.01.2004 cr)

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