"Mona Lisas Lächeln": Die Kunst als Lehre fürs Leben

15. Juli 2004, 10:54
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Eine romantische Komödie im Dienste des sozialen Fortschritts: "Mona Lisas Lächeln" von Mike Newell

Julia Roberts tritt in ihrem jüngsten Film wacker gegen überkommene Kunst- und Lebensvorstellungen auf.


Wien< -="" mit="" dem="" überraschungserfolg="" von="">Vier Hochzeiten und ein Todesfall hat sich der Brite Mike Newell Mitte der 90er-Jahre als Spezialist für romantische Komödien etabliert. Sein jüngster Film greift einmal mehr auf dieses Genre zurück:

Mona Lisas Lächeln (Mona Lisa Smile), angesiedelt 1953, verfolgt neben seinem Unterhaltungsauftrag allerdings auch eine doppelte aufklärerische Mission, die sich nie nur an die handelnden Personen alleine richtet: Zum einen arbeitet Kunstdozentin Katherine Watson (Julia Roberts) nachdrücklich daran, den konservativen Kunstbegriff ihrer Studentinnen zu erweitern. Zum anderen steht hier nichts weniger als die "Frauenfrage" auf dem Spiel:

Schützlinge und Kolleginnen der aus Kalifornien zugereisten Lehrkraft sehen die Ausbildung am renommierten Wellesley College in erster Linie als Surplus zum üblichen Repertoire einer Finishing School, die sie auf ihre umfassenden Aufgaben als Ehefrauen an der Seite künftiger Führungskräfte vorbereitet.

Mona Lisas Lächeln bleibt im Rahmen des US-Unterhaltungsfilms: Passend zum Setting, der renommierten Bildungseinrichtung für US-Amerikanerinnen, gibt es eine Reihe von Identifikationsangeboten, die vom früh verhärmten WASP-Modell (Kirsten Dunst) über das hässliche Entlein (Ginnifer Goodwin) bis zur freizügigen, weltgewandten New Yorkerin (Maggie Gyllenhaal) reicht und entsprechend variierte Handlungsmöglichkeiten veranschaulicht. Dabei setzt der Film jedoch auch mehr auf Ensembleleistung als auf singuläre Star-Performance und wirkt etwa verglichen mit dem Club der toten Dichter etwas weniger schematisch.

Dass Julia Roberts ein Star ist, merkt man nicht zuletzt daran, wie sich die Rede über ihr Privatleben immer wieder in den Rollen, die sie verkörpert, verfängt (und umgekehrt): Die Braut, die sich nicht traut, muss auch hier einmal mehr die Dramaturgie von zunächst erfolgreichem Aufbegehren, anschließendem Zurechtgestutztwerden und finaler, partieller Rehabilitierung durchlaufen.

Ausgerechnet ihr temporärer Gefährte (Dominic West) wird ihr schließlich erklären, dass sie nicht an der Selbstverwirklichung ihrer Schülerinnen, sondern an der Propagierung ihres eigenen Lebensstils arbeitet. Und eine ihrer treuesten Bewunderinnen (Julia Stiles) wird am Ende, nachdem zum x-ten Mal der Schlüsselsatz "Du kannst beides!" gefallen ist, darauf beharren, dass die Entscheidung gegen ein Jusstudium und für ein Leben als Hausfrau und Mutter aus freien Stücken gefallen ist. Auch in diesem Sinne also erfüllt Mona Lisas Lächeln einen ganz zeitgenössischen, möglichst unverfänglichen Auftrag. (DER STANDARD, Printausgabe, 20.1.2004)

Von
Isabella Reicher

Ab 23.1. im Kino

  • Mona Lisa trifft Jackson Polock: Julia Roberts als Kunstdozentin in Mike Newells "Mona Lisas Lächeln"
    foto: columbia

    Mona Lisa trifft Jackson Polock: Julia Roberts als Kunstdozentin in Mike Newells "Mona Lisas Lächeln"

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