Eurofighter hob zum rot-weiß-roten Erstflug ab

20. Jänner 2004, 19:09
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Am Montag hat der erste Österreicher einen Eurofighter geflogen

Am Montag hat der erste Österreicher einen Eurofighter geflogen - Major Franz Six lobte das leichte Handling und den "Zwei-Generationen-Sprung" im Vergleich zum Draken. Minister Günther Platter gratulierte, die Opposition blieb fern.

Als Erwin Obermeier am Montag in sein Auto gestiegen ist, zeigte das Thermometer minus fünf Grad - ideale Bedingungen für das, was er vorführen wollte. Obermeier ist Vorstandsmitglied von EADS und im bayrischen Manching sollte am Montag demonstriert werden, wie sich die umstrittenen Eurofighter denn in der Praxis bewähren. Zum Beispiel bei Temperaturen unter plus fünf Grad - da könnten sie, wie der deutsche Bundesrechnungshof in einem Zwischenbericht behauptet hat (und wie es österreichische Oppositionspolitiker nachgebetet haben), gar nicht starten.

Sie sind gestartet - und gleich der Hercules des österreichischen Bundesheeres entgegengeflogen, in der die Mitglieder des Landesverteidigungsausschusses nach Manching geflogen wurden. Ab der Grenze wurden sie von Eurofightern der deutschen Bundeswehr eskortiert.

Bei der Ankunft auf dem von Bundeswehr und EADS betriebenen Flugplatz gab es gleich eine Vorführung: Jene, die politisch immer für den neuen Abfangjäger eingetreten waren wie VP-Abgeordneter Walter Tancsits, hatten Tränen in den Augen, als ein Eurofighter im Tiefflug über die Piste flog. Nicht auszumachen, ob die Augen vor Rührung oder vor Kälte feucht waren - aber etwas Nationalstolz dürfte dabei gewesen sein, als der erste österreichische Pilot, Major Franz Six, dem Eurofighter entstieg und von Verteidigungsminister Günther Platter begrüßt wurde.

Es wird noch drei Jahre dauern, bis die ersten Eurofighter an Österreich ausgeliefert werden, aber EADS ist augenscheinlich bemüht, die Leistungsfähigkeit und die programmgemäße Abwicklung des Beschaffungsvorgangs zu dokumentieren. Auch und gerade unter Zuhilfenahme der deutschen Luftwaffe: Deutschland wird, wie berichtet, seine Beschaffungsprogramme kürzen - der Eurofighter ist als größtes Projekt allerdings nicht betroffen.

Oberst Erich Staudacher vom deutschen Verteidigungsministerium bestätigte, dass alle Forderungen erfüllt seien - von der Allwetterfähigkeit bei Tag und Nacht über die große Reichweite und Luftbetankbarkeit (auch diese war vom RH angezweifelt) bis hin zur Interoperabilität mit Bündnis- und Koalitionspartnern. Der letzte Punkt ist insofern bedeutsam, als der Eurofighter bewusst nur mit europäischen Komponenten entwickelt wurde, um im Kontext einer europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik auch ohne die USA und die Nato einsatzfähig zu bleiben.

EADS-Chef Aloysius Rauen verwies denn auch darauf, dass eine eigenständige Rüstungsfähigkeit Europas eine wesentliche Voraussetzung sei - und dass Österreich als Eurofighter-Kunde technologisch dabei sein kann. Verteidigungsminister Platter, der ausdrücklich nur als Gast und nicht offiziell nach Manching gekommen war, zeigte sich zuversichtlich, dass alle Punkte des österreichischen Beschaffungsprogramms eingehalten würden - auch bei den Gegengeschäften. "Sehr bedauerlich" sei, dass der Einladung nach Manching keine Oppositionspolitiker gefolgt sind. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.1.2004)

Conrad Seidl aus Manching
  • Eskorte in luftiger Höhe: Verteidigungsminister Platters Maschine begleiteten Eurofighter zum EADS-Termin.
    foto: hbf/lechner

    Eskorte in luftiger Höhe: Verteidigungsminister Platters Maschine begleiteten Eurofighter zum EADS-Termin.

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