Weltweit erster Bluttest auf "Laktose-Intoleranz"

19. Jänner 2004, 18:24
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Bis zu 25 Prozent der Österreicher vertragen keinen Milchzucker

Graz - Steirische Wissenschafter entwickelten den weltweit ersten Bluttest auf das Vorliegen einer "Laktose-Intoleranz": Betroffene können in ihrem Darm Milchzucker nur ungenügend abbauen. "Verdauungsprobleme und ein deutlich höheres Osteoporose-Risiko können die Folge sein", erklärte Barbara Obermayer-Pietsch von der Medizinischen Uniklinik Graz, deren Team den Test entwickelt hat. Die Arbeit wurde im Journal of Bone and Mineral Research veröffentlicht.

Die Milchzuckerunverträglichkeit betrifft in Österreich bis zu 25 Prozent der Bevölkerung. "Menschen mit Laktose-Interoleranz bilden im Darm zu wenig Laktase. Bisher gab es nur aufwändige und ungenaue, indirekte Tests." Die dafür verantwortliche Stelle im Genom wurde vor etwa einem Jahr in Nature Medicine beschrieben. "Wir haben einen Test entwickelt, der den zugrunde liegenden Gen-Polymorphismus, den Basenaustausch in der DNA, nachweist", erklärte Obermayer-Pietsch. "Trägt ein Mensch diese Veranlagung in seiner Erbsubstanz, wird weniger bis kein Laktase-Enzym gebildet, die Verdauung kommt mit dem zugeführten Milchzucker nicht mehr zurecht."

Die Betroffenen nehmen zumeist automatisch weniger Milch und Milchprodukte zu sich, weil sie Blähungen und andere Probleme bekommen und daher Laktose-haltige Speisen instinktiv meiden. Das führt aber auch zu einer geringeren Kalzium-Aufnahme. Die weitere Folge kann sein, dass etwa Frauen bezüglich des Knochenabbaus mit zunehmendem Alter von vornherein in einer schlechteren Ausgangslage sind.

Den Beweis dafür lieferte Obermayer-Pietsch in einer Studie an 258 Frauen nach der Menopause: 24 Prozent hatten eine Laktose-Intoleranz. Die Aufnahme von Kalzium war im Vergleich zu anderen um 55 Prozent verringert - verbunden mit einer um elf Prozent reduzierten Knochendichte an Rückenwirbeln und am Oberschenkelhals. Mit dem Test könne nun eine Laktose-Intoleranz geklärt und im gegebenen Fall Kalzium empfohlen werden.(DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20. 1. 2004)

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