Banker soll 500 Millionen Euro unterschlagen haben

26. Jänner 2004, 16:51
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Franco Gorreri, Chef der Banca Monte Parma, werden auch schwere Bilanzfälschungen vorgeworfen

Rom - Die Ermittler in Parma wollen am Dienstag den Präsidenten der Banca Monte di Parma, Franco Gorreri, vernehmen. Gorreri war gestern im Zusammenhang mit dem Zusammenbruch des italienischen Milchkonzerns Parmalat festgenommen worden.

Beihilfe zum betrügerischen Bankrott

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 51-jährigen Manager unter anderem Beihilfe zum betrügerischen Bankrott sowie die Verbreitung falscher Unternehmensinformationen vor. Gorreri war bis 1992 Parmalat-Finanzchef. Die Verhaftung beziehe sich auf Vergehen des Managers während seiner Zeit bei Parmalat, erklärten die Ermittler.

Gorreri, seit zehn Jahren Präsident der Banca Monte Parma, war freiwillig von seinem Amt zurückgetreten, nachdem seit wenigen Tagen Gerüchte kursierten, er habe mit dem Parmalat-Skandal zu tun.

Trotz seiner Rolle als Chef des lokalen Kreditinstituts war er mehrere Jahre lang im Parmalat-Aufsichtsrat gesessen. In dieser Funktion soll er sich zum Mitwisser des Bilanzbetrugs gemacht haben. Die Banca Monte Parma hat insgesamt 34 Mio. Euro an den Lebensmittelkonzern ausgeliehen.

Unterschlagungen zugunsten Parmatour

Die Ermittler gehen davon aus, dass Gorreri zwischen 2000 und 2003 rund 500 Mio. Euro aus den Parmalat-Kassen zu Gunsten der Tourismusfirma Parmatour unterschlagen haben soll, berichteten italienische Medien am Montag. Daneben werden ihm Bilanzfälschungen im Ausmaß von 400 Mio. Euro vorgeworfen.

Indessen plant die italienische Regierung strengere Maßnahmen zur Vorbeugung von Betrugsfällen: Laut Vize-Wirtschaftsminister Gianluigi Magri drohen Unternehmern, die ihre Bilanzen fälschen und Investoren schaden, künftig 25 Jahre Haft. Außerdem sollen Unternehmen mit Off Shore-Gesellschaften in Steueroasen schärfer kontrolliert werden.

Superbehörde

Mit der Einrichtung einer neuen "Superbehörde" zum Anlegerschutz soll die Emission von Anleihen durch Töchter italienischer Gesellschaften mit Sitz in Steueroasen verboten werden. Magri hält eine "Moralisierung des Systems" für unbedingt notwendig: "Die Kleinanleger sind eingeschüchtert und könnten der Börse den Rücken kehren, was verheerende Folgen für die Wirtschaft hätte."

EU-Binnenmarktkommissar Frits Bolkenstein hat inzwischen für schärfere Kontrollen der Unternehmensbilanzen in Italien plädiert. Vor allem müsste die Ernsthaftigkeit der Buchprüfungsgesellschaften kontrolliert werden. "Es ist noch zu früh zu sagen, was bei Parmalat wirklich geschehen ist. Ich denke aber, dass das ganze Aufsichtssystem in Italien revisionsbedürftig ist", sagte Bolkenstein laut italienischen Medien. (APA)

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