Kants 200. Todestag kündigt sich an

25. Jänner 2004, 18:56
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Zahlreiche Buchneuerscheinungen befassen sich mit dem großen Philosophen

Hamburg - Zu seinem 200. Todestag rücken mehrere Verlage den berühmten Philosophen Immanuel Kant in den Blickpunkt. Es folgt eine Auswahl von Neuerscheinungen, die sich mit Leben und Werk des Königsberger Professors beschäftigen:

In seiner Biografie "Kants Welt" (Rowohlt Verlag, Reinbek, 320 S., Euro 25,60, ISBN 3-498- 02491-4) zeichnet Manfred Geier ein lebendiges Bild des Philosophen Immanuel Kant. Er baut eine Brücke zwischen Kants wichtigsten philosophischen Werken und seiner Lebensgeschichte, die bisher oft als wenig ereignisreich beschrieben wurde. Mit seiner modernen Sprache, mit der Geier das Werk Kants begreiflich macht, ohne zu stark zu vereinfachen, richtet er sich an den interessierten Kant-Einsteiger.

Kants Leben von der Jugend bis zu seinem Tod im preußischen Königsberg, seine Tafelrunden mit Freunden, aber auch seine philosophischen Schriften - Uwe Schultz fasst Leben und Werk in einem straffen Porträt (Rowohlt Verlag, Reinbek, 190 S. mit Abb., Euro 8,80, ISBN 3-499-50659-X) zusammen. Die in der Monografienreihe des Rowohlt-Verlages erschienene ergänzte Neufassung nähert sich dem Philosophen schematisch, beleuchtet ihn aber dennoch facettenreich - von der Kleidung bis zu seinem Verhältnis zu Diener Lampe. Nicht zuletzt zeigt Schultz aber auch, wie Kant dem "philosophischen Denken die Nüchternheit der Moderne verschafft" hat.

"Zuweilen nimmt die 'Kritik' einen etwas verschlungenen Weg. Im ganzen ist sie aber wohlkomponiert wie ein großes Werk der Musik." Kant-Kenner Otfried Höffe führt mit seinem Fachbuch "Kants Kritik der reinen Vernunft. Die Grundlegung der modernen Philosophie" (C.H. Beck Verlag, München, 378 S., Euro 25,60, ISBN 3-406-50919-3) Schritt für Schritt durch das bedeutendste Werk Kants. Er analysiert es historisch und systematisch in Bezug auf die neuesten Erkenntnisse der Naturwissenschaften, betrachtet es also "mit den "unschuldigen Augen" von damals und den "wissenden und besserwissenden Augen" von heute". Nicht zuletzt wird überprüft, "ob die heutige Philosophie noch von Kant lernen kann".

Ein differenziertes und detailreiches Bild des fast 80-jährigen Lebens Immanuel Kants zeichnet Manfred Kühn in seiner umfangreichen, 2001 zunächst in England erschienen Kant-Biografie. In seinem Buch "Kant" (C.H. Beck Verlag, München, 639 S. mit 28 Abb., 30,80 Euro, ISBN 3-406-50918-5) widerlegt der Autor, der sich als Professor der Philosophie bereits mit zahlreichen Arbeiten über Kant hervorgetan hat und derzeit in Marburg lehrt, die oft zitierte Aussage über Kant: Niemand könne die Lebensgeschichte dieses Mannes schreiben, der weder ein Leben noch eine Geschichte gehabt habe.

Kühns Biografie zeigt mit seiner chronologischen, materialreichen Aufarbeitung des Lebens und Denkens Kants, wie sehr der große Philosoph von den politischen und kulturellen Ereignissen seiner Zeit beeinflusst wurde.

Eingebettet in die Kulturgeschichte Königsbergs porträtiert Steffen Dietzsch den großen Philosophen in seiner neuen Biografie "Immanuel Kant" (Reclam Verlag Leipzig, 368 S. mit Abb., Euro 25,60, ISBN 3-379-00806-0). Umfangreiche Funde im Archiv der Universität Königsberg bilden nach Angaben des Reclam Verlags Leipzig die Grundlage dafür. Der Leser erhält neben einer Darstellung von Kants philosophischen Grundgedanken auch einen Überblick über die Kultur, das soziale Leben und die Universität der preußischen Stadt.

Mit "Punkt 5 Uhr früh beginnt das Leben... Der oft skurrile Alltag des Immanuel Kant, leicht satirisch kommentiert" (Donat Verlag, Bremen, 112 S., Euro 10,00, ISBN 3- 934836-79-8) hat Heinz Lemmermann ein liebenswertes, anekdotenreiches Buch über den großen Philosophen geschrieben. Der Autor richtet sich nicht zuletzt an jene, denen Kants "Kategorischer Imperativ" und seine Definition von Aufklärung in anerkennender Erinnerung blieben, das Gesamtwerk aber schwer verdaulich erschien. In Kapiteln wie "Kant und die Frauenzimmer" oder "Kant, der Gesundheitsapostel" leuchtet Lemmermann, der an der Universität Bremen lehrte, die "Kulissen des Alltagslebens" aus. (APA/dpa)

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