In aller Fairness

28. Jänner 2004, 18:49
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Die beiden Präsidentschaftskandidaten langweilen uns, ganz ehrlich - von Michael Völker

Die beiden Präsidentschaftskandidaten langweilen uns, ganz ehrlich. Wir wissen jetzt, dass sie beide nicht in der Dienstvilla wohnen wollen würden, dass sie auch nicht die präsidiale Sommerresidenz in Mürzsteg in Anspruch nehmen würden - das wurde in aller Deutlichkeit dargelegt.

Am Montag machte sich schließlich ein neues Thema breit: das Fairness-Abkommen.

Es geht dabei weniger um den konkreten Inhalt, da scheinen sich die beiden Kontrahenten einig zu sein: Verzicht auf Untergriffe, Beschränkung der Wahlkampfkosten und zeitlich begrenzter Intensivwahlkampf. Die Karwoche sollte laut Kandidatin Benita Ferrero-Waldner überhaupt wahlkampffrei sein, da werden die Plakate wohl mit schwarzen Tüchern verdeckt.

Dementsprechend unentschlossen fiel das Wortgeplänkel zwischen den beiden Kandidaten aus. Inhaltlich hat Heinz Fischer kein Problem mit dem Entwurf Ferreros, aber: "Für Präsident Fischer (derweil noch Nationalrat oder Naturfreunde, Anm.) ist es nicht vorstellbar, dass es in einer so wichtigen Sache nicht zu einem persönlichen Gespräch kommt."

Tatsächlich geht es jetzt darum, ob und wer das Fairness- Übereinkommen unterschreibt. Reichen die Parteimanager, wie es die ÖVP vorschlägt, oder müssen es die Anwärter auf den Präsidentenstuhl höchstpersönlich sein, worauf die SPÖ setzt? Da werden, ganz ohne Untergriffe, aber in aller Deutlichkeit und Schärfe Presseaussendung um Presseaussendung abgesetzt.

Zum Telefonhörer greift niemand, um das abzuklären. So bleibt uns dieses Thema erhalten, wir werden berichten. Vielleicht könnten die Wahlkampfteams gleich auch klären, ob das Fairness-Abkommen in Leder gebunden wird oder ob einfaches Büttenpapier reicht. Wir hätten ein paar Vorschläge. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.1.2004)

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