Die tolle Geschichte vom Plumpsklo

22. Jänner 2004, 21:28
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"Kindervorlesungen" im Zoom-Kindermuseum mausern sich zum Renner

Wien – Spätestens als Verena Winiwarter beim römischen Gruppenplumpsklo angekommen war, hatte sie ihr Publikum fest im Griff. Nicht nur die Kinder – auch die Eltern. Schließlich müssen sich auch die bilden. Aber mit 30, 40 oder noch mehr Jahren ist es halt peinlich, jemanden – wen eigentlich? – zu fragen, wie das in einer Burg des Mittelalters oder im Bürgerhäusern des Biedermeiers gelaufen ist. Gut, die Leute hatten Nachttöpfe. Unterm Bett. Aber dann? Und vor allem: Wohin?

Kinder haben es leichter: Sie fragen. Und sind vom "ambulanten Abortunternehmer" (einer, der mit Kübel und Plane durch die Straßen ging) begeistert. Oder staunen. Und wenn Verena Winiwarter bei einem Bild aus 1559 die aus einem Haus über den Fluss ragenden nackten Pöpsche tatsächlich als das tuend definiert, was zwar nahe liegt, was aber kein Erwachsener anzusprechen wagen würde (Pieter Brueghel! Hochkultur!), sind alle glücklich: Kinder, Eltern und Verena Winiwarter.

"Kindern zeigen, wie spannend Wissenschaft ist"

Schließlich konnte die Umwelthistorikerin vor Sonntagmittag nicht wissen, wie ihre Vorlesung ("Abfall – eine dunkle, schmutzige Geschichte?") im Zoom-Kindermuseum im Museumsquartier angenommen werden würde. Im Rahmen der Reihe "Wiener Kindervorlesungen" referieren echte Wissenschaftler vor dem kritischsten Publikum das es gibt: Kindern. "Wir wollen", erklärt Zoom-Direktorin Elisabeth Menasse-Wiesbauer, "Kindern zeigen, wie spannend Wissenschaft ist."

Das Konzept, den "Motor Neugier" kindgerecht mit anspruchsvollen Themen (so referierte etwa Anton Zeilinger über das Konzept des Beamens) stammt aus Deutschland: Seit die Universität Thübingen im Sommer 2002 erste "Kindervorlesungen" abhielt, wurden in Österreich und Deutschland zahlreiche ähnliche Projekte initiiert. Durchaus mit Erfolg: "Pfo, das war echt super", jubelte jedenfalls Sonntagnachmittag ein Knabe nach der Vorlesung am Weg zum Festtags-Mittags-Burger, "ich will auch Kloforscher werden. Oder Installateur." (Thomas Rottenberg, 20.01.2004)

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