Nazi-Prozess: Angeklagter attackierte Kameramann mit Krückstock

20. Jänner 2004, 22:41
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Anklage weist Forderung nach Einstellung des Prozesses gegen SS-Wachmann Bikker zurück

Hagen - Der NS-Prozess gegen den 88-jährigen früheren Wachmann der Waffen-SS, Herbertus Bikker, tritt auf der Stelle. Die Anklage wies am Montag vor dem Landgericht in Hagen die Forderung der Verteidigung zurück, das Verfahren wegen des stark angegriffenen Gesundheitszustands des Angeklagten einzustellen. Die Staatsanwaltschaft will zunächst ein weiteres neurologisches Gutachten abwarten. Der Angeklagte attackierte nach der Verhandlung am Montag einen niederländischen Kameramann mit seinem Krückstock.

Die Verteidigung macht geltend, dass Bikker dem Prozess nicht mehr folgen könne und sich an den Verlauf des Verfahrens gar nicht erinnern könne. Dagegen erklärte der schon mehrfach von dem Hagener Gericht gehörte Gerontologe Markus Schmidt, Bikker könne sich an die Namen von damals erinnern. Der Großteil der Vorwürfe gegen ihn sei ihm bekannt. "Herr Bikker kann selber planen und aktuelle Entscheidungen fällen." Er verliere allerdings schnell die Konzentrationsfähigkeit und leide unter Kopfschmerzen.

Soll Widerstandskämpfer ermordet haben

Vor Gericht bestätigten am Montag zwei Nachbarinnen Bikkers, dass sich dessen körperliche Verfassung seit Prozessbeginn im September rapide verschlechtere. Bikker esse kaum noch und klage über Schmerzen im Gesicht.

Dem gebürtigen Niederländer wird vorgeworfen, im November 1944 in einem Kriegsgefangenenlager den niederländischen Widerstandskämpfer Jan Houtman erschossen zu haben. (APA/AP)

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    Herbertus Bikker und sein Krückstock

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