Draken sollen länger fliegen

20. Jänner 2004, 19:09
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Platter: "Natürlich" kein Hinweis auf Eurofighter-Probleme

München - Aufhorchen ließ Verteidigungsminister Günther Platter am Montag mit einer Ankündigung in Sachen Draken. Er lasse prüfen, ob der Betrieb einzelner Maschinen auch über das Jahr 2005, das bisher immer als Deadline genannt wurde, möglich ist. Der neue Wartungsvertrag mit der schwedischen Regierung bzw. schwedischen Unternehmen stehe "kurz vor der Unterzeichnung", sagte der Minister, ein konkretes Datum gab er noch nicht an.

"Natürlich" keine Probleme mit Eurofighter

Er gehe jedenfalls davon aus, dass es 2004 und 2005 mit der Wartung und den Ersatzteilen keine Probleme geben werde. Mit vereinbart werden solle gleich auch eine Option für eine Verlängerung über 2005 hinaus, um im Fall einer Ausdehnung des Draken-Betriebs nicht neu verhandeln zu müssen. Als Hinweis auf Probleme mit dem Eurofighter seien diese Überlegungen "natürlich nicht" zu verstehen, betonte der Minister.

Luftstreitkräfte-Kommandant Generalmajor Erich Wolf ergänzte, nach 2005 werde der Draken "als System" nicht mehr verfügbar sein. Es gehe aber darum, dass einzelne Maschinen weiter in Betrieb gehalten werden. Damit solle etwa sichergestellt werden, dass jene Piloten, die gerade nicht auf dem Eurofighter ausgebildet werden, ihre Flugpraxis nicht verlieren.

Einstiegspaket für Eurofighter

Das Einstiegspaket für die Eurofighter-Kampfjets könnte Ende Februar konkret werden. Derzeit gebe es dazu in Deutschland, Großbritannien und Spanien verschiedene Vorstellungen, bei einem Treffen Ende Februar in Singapur wollen die Eurofighter-Partner darüber beraten, so der deutsche Staatssekretär im Verteidigungsministerium, Peter Eickenboom (SPD), am Montag anlässlich eines Besuchs von Koalitions-Abgeordneten im Werk des deutschen Eurofighter-Partners EADS in Manching (Bayern) vor Journalisten. Eine Kostenschätzung liege noch nicht vor.

Deutschland übernimmt Führungsrolle

Deutschland hat laut Eickenboom die Führungsrolle in Sachen österreichisches Einstiegspaket übernommen. Ziel ist, eine möglichst reibungslose Ablöse der altersschwachen Draken zu ermöglichen. Die ersten österreichischen Eurofighter sollen erst 2007 kommen. Die Draken sollen aber nach bisherigem Stand bereits Ende 2005 außer Dienst gestellt. Beteiligen wollen sich an dem Übergangspaket neben Deutschland auch Großbritannien und Spanien, die vierte Eurofighter-Nation Italien hat abgewunken.

In der aktuellen Ausgabe des Nachrichtenmagazins "profil" ist die Rede von sechs Leih-Maschinen der Royal Airforce, die im Laufe des Jahres 2005 sukzessive zur Verfügung gestellt werden sollen, damit diese 2006, wenn Österreich die EU-Präsidentschaft übernimmt, einsatzbereit seien.

Mietflugzeuge

Möglich ist, Flugzeuge direkt von einem oder mehreren Ländern anzumieten. Als Variante im Gespräch ist aber auch ein Vertrag mit der Eurofighter-Agentur NETMA, welche im Namen der vier Nationen als offizieller Auftraggeber auftritt, oder mit der Eurofighter GmbH. Diese koordiniert die Fertigung des Jets mit den Rüstungskonzernen der vier beteiligten Länder.

Eickenboom spricht nun jedenfalls von acht Flugzeugen für das Einstiegspaket. Zwei davon sollen Doppelsitzer für die Ausbildung sein, die nicht in Österreich stationiert sein müssten.

Verteidigungsminister Platter sagte, er wolle über das Einstiegspaket "mit Ruhe und Gelassenheit" verhandeln. "Es gibt Varianten, die klar sind, die machbar sind", meinte er. Man wolle aber weiter verhandeln, um zu einem guten Paket zu kommen, "das auch finanziell machbar ist".

Erstflug eines österreichischen Piloten

Im Mittelpunkt des Besuchs in Bayern stand aber der Eurofighter. Bereits während des Fluges - die Anreise erfolgte mit einer Hercules-Transportmaschine des Bundesheeres - wurde die österreichsche Delegation von zwei Jets der deutschen Luftwaffe eskortiert. Dabei gab es eine Premiere: Mit Major Franz Six, stellvertretendem Regimentskommandant in Zeltweg, ist erstmals ein österreichischer Pilot mit dem Eurofighter mitgeflogen.

Mängel-Bericht dementiert

In Manching wurde dann betont, dass das Eurofighter-Programm auf gutem Weg sei. Thema war dabei natürlich auch der Bericht des deutschen Rechnungshofes über Mängel des Projekts. Dieser Bericht sei zum Teil schon bei seinem Erscheinen veraltet gewesen, so EADS-Manager Erwin Obermeier. Probleme etwa mit dem Radar habe es tatsächlich gegeben, räumte er ein. Diese seien aber schon behoben. Andere Anforderungen hingegen seien in der Zwischenzeit bereits erfüllt.

"Klares Votum" aus Deutschland

EADS-Vorstand Rainer Hertrich wies zudem darauf hin, dass der deutsche Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) erst kürzlich ein "klares Votum" dafür abgegeben habe, dass Deutschland an der Stückzahl von 180 Eurofighter festhalten wolle. Allen anders lautenden Spekulationen sei damit "der Boden entzogen".

Die Einladung von EADS und dem Verteidigungsministerium nach Manching nicht angenommen hatten Vertreter von SPÖ und Grünen. "Ich bedaure das sehr", so Verteidigungsminister Günther Platter (V), er hätte schon gedacht, dass sich auch die Opposition über ein so wichtiges Thema informieren wolle. Keinen Kommentar zur Abwesenheit seiner österreichischen Parteifreunde gab es von Eickenboom: "Es ist nicht meine Aufgabe, mich in die österreichische Innenpolitik einzumischen." (APA/red)

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    Mitgeflogen: Mit Major Franz Six, stellvertretendem Regimentskommandant in Zeltweg, ist erstmals ein österreichischer Pilot mit dem Eurofighter abgehoben.

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