Rückführung ruandesischer Flüchtlinge gestartet

22. Jänner 2004, 11:40
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Zehn Jahre nach Völkermord - Rund 25.000 Flüchtlinge werden repatriiert - Ex-UNO-General sagt in Völkermordprozess aus

Kampala - Zehn Jahre nach dem Völkermord in Ruanda haben die Vereinten Nationen mit der Rückführung hunderter Flüchtlinge in deren Heimatland begonnen. Die ersten Fahrzeuge des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) mit 240 Menschen an Bord überquerten am Montag bei Katuna die Grenze zwischen Uganda und Ruanda, wie die Regierung in Kampala mitteilte. Nach und nach sollten alle rund 25.000 Flüchtlinge in ihre Heimat zurückgebracht werden.

Die Flüchtlinge verbrachten die vergangenen zehn Jahre in drei Lagern im Südwesten von Uganda, wie ein Flüchtlingsbeauftragter der Regierung von Uganda, Douglas Asiimwe, mitteilte. Die meisten von ihnen seien Hutu und sollten in ihre ursprünglichen Heimatdörfer zurückgebracht werden.

Ehemaliger UNO-General sagt aus

Der ehemalige Befehlshaber der UN-Mission in Ruanda, Romeo Dallaire, sagt seit Montag als Zeuge in einem Prozess gegen vier mutmaßliche Drahtzieher des Völkermords von 1994 aus. Dallaire habe dem damaligen Militärchef Theoneste Bagosora vorgeworfen, ihn mit einer Waffe bedroht zu haben, sagte ein Sprecher der Internationalen UN-Tribunals gegen den Völkermord im tansanischen Arusha.

Der Kanadier Dallaire hatte damals vergeblich versucht, Verstärkung für seine 2300 Mann starke Truppe zu bekommen, um die Massaker zu verhindern. Seine Einheit wurde stattdessen auf 500 reduziert.

"Er hat mit fester und klarer Stimme über seinen Kontakt zum Verteidigungsministerium in Ruanda gesprochen", sagte der Sprecher. Der kanadische UN-General hatte im Oktober seine Memoiren veröffentlicht, in denen er sich selbst und die internationale Gemeinschaft anklagt, nicht mehr gegen den Völkermord unternommen zu haben. Nach dem Ende seiner Mission hatte Dallaire mehrfach versucht, sich das Leben zu nehmen.

Die vier Angeklagten sollen Mördertruppen befehligt haben, die Tutsi und gemäßigte Hutus umgebracht haben. Sie weisen alle Vorwürfe von sich. In dem etwa 100 Tage dauernden Massaker kamen mindestens 800 000 Menschen ums Leben. (APA/AP)

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