Krach auf der Infineon- Hauptversammlung

29. Jänner 2004, 15:09
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Aktionäre werfen Vorstand "Selbstbedienung" vor - Scharfe Kritik am Aktienoptionsprogramm

München - Von drei Verlustjahren enttäuschte Aktionäre des Halbleiterherstellers Infineon haben dem Vorstand Selbstbedienung mittels großzügiger Vergütungsmodelle vorgeworfen. Die Führungscrew profitiere bereits bei kleinen Markterholungen, kritisierte Daniela Bergdolt von der Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) am Dienstag bei der Hauptversammlung in München. Vorstandschef Ulrich Schumacher kündigte unterdessen an, Infineon werde 2004 "wieder Geld verdienen". Der Halbleitermarkt werde um etwa 20 Prozent wachsen.

"Grob instinktlos"

Bergdolt führte aus, das Management erhalte bereits bei einer Kurssteigerung von 0,7 Prozent pro Jahr Leistungen aus dem Optionsplan. Der Vorstand müsse keine Anstrengungen unternehmen. Der Optionsplan sei "grob instinktlos", sagte Bergdolt unter Beifall der 2.600 Aktionäre. Auch der Fondsmanager bei Union Investment, Andre Köttner, und weitere Aktionärsvertreter sprachen von Selbstbedienung.

Trotz der Kritik wurden Vorstand und Aufsichtsrat mit nur wenigen Gegenstimmen entlastet. Bei der Entlastung des Aufsichtsrates enthielten sich aber mehr als 11 Prozent, was bei Hauptversammlungen sehr ungewöhnlich ist.

Bezüge-Erhöhung nicht angemessen

Willi Bender von der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) sagte, Erhöhungen der fixen und variablen Vorstandsbezüge um 25 beziehungsweise 30 Prozent seien angesichts der Verluste nicht angemessen. ER forderte, das Aktienoptionsmodell auszusetzen. Der Vorstand dürfe nur dann profitieren, wenn der Gewinn des Unternehmens steige.

Schumacher räumte ein, dass die Aktionäre in der Vergangenheit "einige Enttäuschungen verkraften mussten". Infineon hatte mehr als zwei Jahre Milliardenverluste geschrieben und war erst im Schlussquartal 2003 in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt. Für das Gesamtjahr blieb aber unterm Strich ein Minus von 435 Millionen Euro.

Aufsichtsrat weist Kritik zurück

Aufsichtsratschef Max Dietrich Kley wies die Kritik der Aktionäre zurück: "Der Vorstand hat in den vergangenen Jahren Außerordentliches geleistet." Die Verminderung von Verlusten sei weitaus schwieriger, als ein Unternehmen durch ruhige Konjunkturgewässer zu steuern; deshalb seien die Boni gerechtfertigt. Kley wies darauf hin, dass die Hauptversammlung das Aktienoptionsprogramm 2001 genehmigt habe. Das Modell werde jetzt mit Hilfe externer Berater überprüft. Laut Schumacher kommen 20 bis 25 Prozent der Mitarbeiter in den Genuss des Aktienoptionsprogramms.

Zum laufenden Geschäftsjahr 2004 sagte Schumacher, Analystenschätzungen über ein Vorsteuerergebnis (Ebit) von 324 Millionen Euro "liegen im Rahmen der Möglichkeiten". Im ersten Quartal erzielte Infineon 34 Millionen Euro Gewinn, das Ebit kletterte auf 70 Millionen Euro.

"Deutliche Erholung erwartet"

Schumacher rechnete mit einer "deutlichen Erholung" in der zweiten Hälfte des Geschäftsjahrs. Infineon werde auch 2004 schneller als der Markt wachsen. Mittels der Fortsetzung des Sparprogramms "Impact 2" würden die Kosten nochmals um gut 500 Millionen Euro gedrückt. Infineon werde sich auf Kernaktivitäten konzentrieren. (APA/AP)

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