Liebscher besorgt wegen Tempo der Aufwertung

26. Jänner 2004, 17:47
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Notenbankgouverneur hofft auf Einsicht der USA

Frankfurt/Wien - Besorgt über die Aufwertung des Euro gegenüber dem Dollar, vor allem bezüglich der Geschwindigkeit, äußert sich nun auch Österreichs Notenbankgouverneur Klaus Liebscher : "Ich sorge mich um die Euro-Aufwertung, aber nur um das Tempo des Anstiegs. Das ist ungesund", so Liebscher in der Montag-Ausgabe der "Financial Times Deutschland" (FTD). Es bestehe aber kein Grund, die Entwicklung zu dramatisieren.

Die Aufwertung werde durch das globale Wirtschaftswachstum ausgeglichen, sie habe auch positive Seiten. So werde der Anstieg der Inflationsrate gebremst. "Die Entwicklung der Inflation hängt von einer Fülle von Faktoren ab wie der Entwicklung des Wechselkurses und des Ölpreises. Ich kann aber sagen, dass die Risiken für einen Inflationsanstieg ausgeglichen sind. Dagegen sehe ich eher, dass die Inflation stärker als von uns erwartet sinken wird beziehungsweise im Rahmen unserer Prognosen liegt", so Liebscher zur "FTD".

Wechselkurse keine Einbahnstraße

Indirekt habe Liebscher die USA aufgefordert, ein Signal gegen die Euro-Aufwertung zu setzen: "Wir leben in einer Welt von Abhängigkeiten. Wir können die Wechslekurse nicht als Einbahnstraße begreifen. Wir können sie nicht nur im eigenen Interesse sehen. Die Amerikaner sollten daran interessiert sein, dass wir in einer multilateralen Welt leben". Liebscher begrüße es, dass US-Finanzminister John Snow hin und wieder deutlich mache, dass er an einem starken Dollar interessiert sei und hoffe, "dass das Bekenntnis glaubwürdig ist".

Zuvor hatten sich bereits EZB-Chefvolkswirt Othmar Issing und Belgiens Zentralbank-Chef Guy Quaden besorgt über den Höhenflug des Euro geäußert. Frankreich hatte am Freitag die sieben wichtigsten Industriestaaten (G-7) aufgerufen, im Interesse eines dauerhaften Wachstums beim Auffangen der Währungsungleichgewichte zu helfen. Die G-7 müsse eine gemeinsame Diagnose der Lage fördern und die Umsetzung einer angemessenen Politik in den großen Weltregionen erleichtern, sagte Wirtschafts- und Finanzminister Francis Mer. Der Euro-Kurs hatte in der Vorwoche ein Rekordhoch zum Dollar von fast 1,29 erreicht, derzeit notiert der Euro unter 1,24 Dollar.

Österreichs Nationalbank-Gouverneur Liebscher sagte gegenüber der "FTD" weiters, dass er davon ausgehe, dass sich die Notenbanken schon bald auf ein neues Goldabkommen einigen würden. Er sei optimistisch, dass im Frühjahr ein neuer Vertrag ausgehandelt sei. Das bisherige Abkommen zwischen 15 Zentralbanken läuft im September aus. Darin hatten sie sich verpflichtet, nicht mehr als 400 Tonnen Gold im Jahr zu verkaufen. Zu einer eventuellen Erhöhung dieser Menge sagte Liebscher, auch 450 Tonnen pro Jahr oder bisschen mehr seien kein Problem für den Markt, wenn man ihn darauf vorbereite. Die Deutsche Bundesbank will in den kommenden Jahren jeweils rund 100 Tonnen verkaufen. Liebscher sagte dazu: "Ich denke die Pläne der Bundesbank sind zu akzeptieren". (APA)

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