Schiiten fordern Auslieferung Saddams

22. Jänner 2004, 10:21
94 Postings

Erneut Demonstrationen in Bagdad und Kerbala - Protest gegen geplante Autonomierechte für Kurden - Hinrichtung des Ex-Diktators gefordert

Bagdad - In Bagdad und Kerbala haben am Dienstag erneut tausende Anhänger des radikalen Schiitenführers Muktada al Sadr gegen die USA demonstriert. Der Zorn der Demonstranten richtete sich gegen die von den USA geplanten Autonomierechte für die Kurden im Nordirak und die Behandlung von Ex-Staatschef Saddam Hussein als Kriegsgefangener. In Sprechchören verlangten die Kundgebungsteilnehmer, Saddam Hussein als "Kriminellen" einzustufen und hinzurichten. Sie warfen den USA vor, den Irak durch die geplante Autonomie für die Kurden spalten und schwächen zu wollen.

Anhänger des jungen Schiitenführers Muktada al Sadr hatten in den vergangenen Tagen in mehreren irakischen Städten gegen die USA demonstriert. Der Religionsgelehrte, der als radikalster Schiitenprediger im Irak gilt, hatte bereits im vergangenen Sommer einen sofortigen Abzug der US-Truppen gefordert.

100.000 bei Demonstration am Montag

Am Montag hatten mehr als 100.000 Schiiten auf einer Demonstration in Bagdad die Forderung von Großayatollah Ali Sistani nach allgemeinen Wahlen unterstützt. "Demokratie bedeutet Wahlen!" war bei der Massendemonstration auf Transparenten zu lesen. Viele Teilnehmer riefen Slogans wie "Sistani, Sistani, wir sind deine Soldaten für die Befreiung!" "So wie es Wahlen in Europa und Amerika gibt, so sollte es auch hier Wahlen geben", sagte einer der Bagdader Demonstranten, "die Amerikaner sagen, es ist demokratisch und bringt den Ländern Freiheit. Dann sollten auch wir Wahlen bekommen". Der Anteil der unter allen bisherigen Regierungen des Landes unterdrückten Schiiten an der irakischen Bevölkerung wird auf 60 bis 65 Prozent geschätzt.

USA lehnen ab

Die USA lehnen allgemeine direkte Wahlen ab, weil diese automatisch zu einer absoluten Schiiten-Mehrheit in der geplanten Übergangsversammlung führen würden. Aufgabe der Versammlung - die nach den Vorstellungen von US-Chefverwalter Paul Bremer in einem regionalen "Auswahlverfahren" beschickt werden soll - ist es, bis Ende Juni eine Übergangsregierung einzusetzen, der am 1. Juli die volle Entscheidungsgewalt übertragen werden soll. Vergangene Wochen hatten Zehntausende in der südlichen Stadt Basra für allgemeine Wahlen demonstriert.

Großayatollah Sistani hat mit einer "Fatwa" (religiöses Rechtsgutachten) gedroht, die es den Gläubigen verbieten würde, den von den USA eingesetzten provisorischen "Regierungsrat" zu unterstützen. "Die Söhne des irakischen Volkes fordern eine direkte Wahl und eine Verfassung, die Gerechtigkeit und Gleichheit für jeden verwirklicht", sagte Sistanis Gesandter Hashim al Awad unter dem Jubel der Demonstranten. (APA/AP/dpa/Reuters/red)

  • Mehr als 100.000 Schiiten gingen in Bagdad für die Abhaltung von allgemeinen Wahlen noch in diesem Jahr auf die Straße.
    foto: epa/ali abbas

    Mehr als 100.000 Schiiten gingen in Bagdad für die Abhaltung von allgemeinen Wahlen noch in diesem Jahr auf die Straße.

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Am Dienstag gingen erneut tausende Schiiten auf die Straße. Sie protestieren gegen Kurdenprivilegien und Kriegsgefangenenstatus für Saddam Hussein.

Share if you care.