Deutschland: Weltsozialforum erhöht Druck auf reiche Staaten

30. Jänner 2004, 16:34
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Entwicklungsländer sollen von Globalisierung profitieren

Bombay - Das Weltsozialforum im indischen Bombay mit mehr als 100 000 Globalisierungskritikern erhöht nach Ansicht der deutschen Regierung den Druck auf die reichen Staaten. "Wir müssen dafür sorgen, dass die Entwicklungsländer auch von der Globalisierung profitieren können", sagte die Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Kerstin Müller (Grüne), in einem dpa-Gespräch in der indischen Finanzmetropole. "In welchem Maße sich die Armen dieser Welt selbst organisieren und ihre Forderungen an die Internationale Gemeinschaft stellen, zeigt die Dramatik der Lage. Es erhöht den Druck auf uns, unseren internationalen Verpflichtungen im Kampf gegen Armut, Aids und unfaire Handelsbedingungen nachzukommen."

An dem sechstägigen Treffen, das noch bis Mittwoch andauert, nehmen überwiegend Inder teil, darunter 30.000 teils bis heute als unberührbar diskriminierte Dalit und zahlreiche Landlose. Müller sagte mit Blick auf die verschiedenen globalisierungskritischen Gruppen aus aller Welt beim Forum: "Auch wenn wir in vielen Punkten unterschiedlicher Meinung sind, stehen wir vor derselben zentralen Herausforderung: Wie wir die Globalisierung gerechter gestalten." Berechtigte Argumente würden Eingang in die Regierungspolitik finden.

Müller sprach sich für eine Wiederaufnahme der Verhandlungen im Rahmen der laufenden Welthandelsrunde aus. Ansonsten wären "die ersten Verlierer die Entwicklungsländer". Die Verhandlungen der Welthandelsorganisation (WTO) waren im Herbst im mexikanischen Cancun am Widerstand von Entwicklungsländern gescheitert. Sie kritisierten vor allem, dass die reichen Staaten die Öffnung der Märkte in der Dritten Welt verlangten, während sie gleichzeitig ihre Bauern weiter subventionierten. (APA/dpa)

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