Prozess um Gier und Bereicherung

21. Jänner 2004, 19:45
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Verfahren um Chefs von Mannesmann startet

Düsseldorf - Vor dem Gericht in Düsseldorf beginnt am Mittwoch das spektakulärste Wirtschaftsstrafverfahren in der Geschichte der Bundesrepublik. Gemeinsam auf der Anklagebank: Deutschlands einflussreichster Banker und der einst mächtigste Gewerkschafter der Republik.

Es geht um einen Wirtschaftskrimi der Superlative: um die größte Übernahmeschlacht der deutschen Geschichte und um dubiose Millionenabfindungen für Manager. Auf der Anklagebank im Düsseldorfer Oberlandesgericht sitzen der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann, der frühere IG-Metall-Chef Klaus Zwickel, der ehemalige Mannesmann-Chef Klaus Esser, der Exaufsichtsratsvorsitzende des Technologiekonzerns, Joachim Funk, der frühere Gesamtbetriebsratschef Jürgen Ladberg und der einstige Personalvorstand der Mannesmann AG, Dieter Droste.

Zehn Jahre Haft drohen

Sie sollen laut Anklage die Hauptpersonen in einem Drama um Gier und Selbstbedienung aus den Firmenkassen sein. Die Anklage lautet auf Untreue oder Beihilfe dazu. Untreue kann mit einer Höchststrafe von zehn Jahren Haft geahndet werden.

Zwei Jahre haben die Staatsanwälte, unterstützt von einer Sonderkommission des Landeskriminalamtes Düsseldorf, ermittelt. Es geht um die 180 Milliarden Euro schwere Übernahme des Technologiekonzerns Mannesmann durch den britischen Mobilfunkriesen Vodafone Anfang 2000. Nach dem Sieg von Vodafone sollen nämlich im Mannesmann-Konzern mehr als 100 Mio. Euro an führende Manager, Aufsichtsräte und Pensionäre geflossen seien. Allein 30 Mio. Euro gingen an Esser selbst. (Erich Reimann, DER STANDARD, Printausgabe, 19.1.2004,AP)

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