Weibliche Sexualität noch immer verpönt

29. Jänner 2004, 07:00
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Libido und Genussfähigkeit bleiben auch im hohen Alter erhalten - Probleme gibt es aber mit der eingeschränkten Möglichkeit von Sexualpartnern

Nach wie vor gilt im herkömmlichen Verständnis weibliche Sexualität im Alter als verpönt, zumindest als befremdlich. Alte Frauen, die ihre sexuelle Aktivität nicht verschweigen, laufen Gefahr als abnormal, lächerlich oder grausig hingestellt zu werden. Erfreulicherweise bestehen in den letzten Jahren jedoch leichte Tendenzen, mit diesem Vorurteil aufzuräumen.

Sexuelle Genussfähigkeit

Die WissenschafterInnen sind sich einig, dass es im Verlauf des Alterungsprozesses zwar keine biologischen und physiologischen Veränderungen gibt, die als Zäsur zu betrachten wären, "welche die Sexualität zum Verlöschen bringt", wie es Lieselotte Hilbig ausdrückt. Aufgrund der vaginalen Trockenheit, bedingt durch die Abnahme weiblicher Hormone, können jedoch Schwierigkeiten beim Sexualverkehr auftreten. Doch der sexuelle Genuss und die Orgasmusfähigkeit bleiben gewährleistet.

Falsches Klischee

Entgegen den patriarchalen Klischees von "lustlosen alten Frauen" und "sexuell aktiven alten Männern" stellte die Altersforschung genau das Gegenteil fest: Nicht die Männer sind im Alter die sexuell Potenteren, sondern die Frauen! Die Sexualwissenschafterin Kirsten von Sydow, die an der WHO-Studie "Human Sexuality and Aging" mitgearbeitet hat, führt aus: "Bei Männern lässt im Alter das Erektionsvermögen nach, die Erektionen werden schwächer und sind leichter störbar". Dagegen werde zwar bei Frauen die Haut der Genitalien nach den Wechseljahren dünner, aber die Erregbarkeit nehme nicht ab. Es komme lediglich auf die Möglichkeiten an, welche Frauen im sexuellen Erleben haben, d.h. primär auf die Zärtlichkeit der PartnerInnen.

Probleme

Doch gerade mit den möglichen SexualpartnerInnen - besonders mit den männlichen - kann es Probleme geben. Ältere und alte Frauen müssen oft zur Kenntnis nehmen, dass sie für Männer, auch sehr alte, desöfteren nicht mehr als begehrenswert gelten. Gleichzeitig sind aufgrund des "Frauenüberschusses" im (hohen) Alter männliche gleichaltrige Sexualpartner schwer zu finden. Lesbische Frauen haben es in diesem Punkt vielleicht einfacher. Desweiteren wäre Selbstbefriedigung eine Alternative. Manchen Frauen erscheint jedoch beides undenkbar. (red)

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    Entgegen den gängigen Klischees kann Sexualität im Alter sehr befriedigend sein.
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