"Geschichte, das bin ich"

18. Jänner 2004, 17:14
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Großes Oral-History-Projekt in der Schweiz

Lausanne - Im Historischen Museum in Lausanne ist am Freitag die Ausstellung "L'Histoire, c'est moi" (Geschichte, das bin ich) eröffnet worden. Sie zeigt das bisher größte Oral-History-Projekt über die Zeit des Zweiten Weltkriegs in der Schweiz. 555 Zeitzeuginnen und Zeitzeugen wurden zu ihren persönlichen und alltäglichen Erfahrungen und Erlebnissen in der Zeit zwischen 1939 und 1945 befragt und auf Video dokumentiert. Die Ausstellung wird dieses und nächstes Jahr in elf verschiedenen Schweizer Städten gezeigt. In einzelnen Museen finden zudem begleitende Veranstaltungen statt.

Von 1999 bis 2001 wurden die insgesamt 555 Interviews mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen des Zweiten Weltkriegs in der Schweiz durchgeführt. Aus dieser Materialfülle sowie weiterem historischem sowie heutigem Filmmaterial sind insgesamt 64 Kurzfilme entstanden. Spionage, verbotene Liebe und Schmuggel gehören genauso zu den Themen, die in den Interviews zur Sprache kommen, wie der Alltag in der Armee, der Kampf ums tägliche Brot, die Faszination für den Faschismus, das Schicksal der Flüchtlinge und die Erleichterung über das Kriegsende.

Datenbank angelegt

Damit konnte ein umfassendes Archiv aufgebaut werden. Alle 555 Videointerviews wurden indexiert und in einer Datenbank über einen Schlagwortkatalog zugänglich gemacht. Die Datenbank steht der Öffentlichkeit zur Verfügung. "Dieses Projekt ist von nationalem Interesse. Es stellt eine wertvolle Ergänzung der Arbeit der Bergier-Kommission dar", sagte David Streiff, der Direktor des Bundesamtes für Kultur (BAK), zur Eröffnung.

Die Initiative zur Ausstellung ging vom Verein Archimob (Archives de la mobilisation) aus. Dem Verein gehören mehr als 40 Historikerinnen und Historiker und Filmschaffende aus der ganzen Schweiz an. Sein Ziel ist es, Zeugnisse über die Zeit des Zweiten Weltkriegs in der Schweiz zu sammeln und zu archivieren.(APA/sda)

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