Rom will Jagd auf Rote Brigaden neu aufnehmen

19. Jänner 2004, 13:52
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150 noch flüchtig - Innenminister verspricht scharfe Offensive gegen politischen Terror

Rom - Die italienische Regierung hat eine neue Offensive zur Festnahme der rund 150 noch flüchtigen Mitglieder der linksextremistischen Terrororganisation "Brigate Rosse", die für Hunderte politische Morde in den 70-er und 80-er Jahren verantwortlich gemacht werden, angekündigt. "Ich werde keine Ruhe haben, solange nicht alle Terroristen der Justiz übergeben worden sind", meinte der italienische Innenminister Giuseppe Pisanu.

Mord an Aldo Moro

Fast 26 Jahre nach dem Mord an dem Vorsitzenden der Democrazia Cristiana (DC), Aldo Moro, waren am Mittwoch in Kairo zwei seit Jahrzehnten flüchtige Mitglieder der "Roten Brigaden" festgenommen worden. Dank der Zusammenarbeit der ägyptischen Sicherheitsdienste mit der italienischen Polizei konnten die Linksextremisten Rita Algranati und Maurizio Falessi verhaftet werden.

Lebenslängliche Haft

Die seit 1981 flüchtige Algranati hatte sich mit dem Kampfnamen "Marzia" am Kommando beteiligt, das Aldo Moro entführt und ermordet hatte. Seit Anfang der 90-er Jahre, lebte sie mit ihrem Lebensgefährten Falessi in Algerien. Wegen ihrer Beteiligung am Moro-Mord war sie im Dezember 1993 in Abwesenheit zu lebenslänglicher Haft verurteilt worden.

Die heute 46-jährige Algranati wird unter anderem auch für die Verwicklung in den Mord an einem Richter, die Tötung des Generals, Antonio Varisco, und für den Überfall eines römischen DC-Büros Ende der 70-er Jahre verantwortlich gemacht, bei dem zwei Polizisten erschossen worden waren.

Flucht seit 1979

Der 50-jährige Falessi war seit 1979 auf der Flucht. Wegen seiner Beteiligung an der linksextremistischen Untergrundorganisation "Unita comuniste combattenti" (Kämpfende kommunistische Einheiten) und eines Mordversuchs wurde er zu elf Jahren Haft verurteilt.

Die italienische Polizei will nun auch Algranatis Ex-Ehemann, Alessio Casimirri, verhaften, der letzte noch flüchtige Terrorist, der sich an der Entführung Moros beteiligt hatte. Casimirri lebt in Managua, wo er ein italienisches Restaurant besitzt. Rom will nun den Druck auf die Justizbehörden in Nicaragua verschärfen, um die Auslieferung des Terroristen zu erhalten.

Politische Morde

Die Roten Brigaden hatten in den 70-er und 80-er Jahren zahllose Morde an Politikern, Journalisten und Intellektuellen verübt. Sie setzten sich die "bewaffnete Revolte" gegen den italienischen Staat als Ziel, in einer Epoche, in der sich eine neue politische Allianz zwischen der christdemokratischen DC (Democrazia Cristiana) und der Kommunistischen Partei (PCI), den beiden stärksten Parteien des Landes, anbahnte.

Innenminister Pisanu berichtete, dass weiter um die "Neuen Roten Brigaden" ermittelt wird, die für die Morde am Arbeitsrechtsexperten Massimo D'Antona (1999) und Marco Biagi (2002) verantwortlich gemacht werden. Acht Mitglieder der "Nuove Brigate Rosse" waren im Oktober festgenommen worden. Pisanu schloss nicht aus, dass es zu weiteren Festnahmen kommen könnte. (APA)

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    Rita Algranati wurde Mitte Jänner in Ägypten verhaftet.

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