Ebadi fordert Entschuldigung Berlins

19. Jänner 2004, 18:38
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Wegen Chemiewaffen-Lieferungen an Saddam Hussein - Trägerin des Friedensnobelpreises: Viele der Opfer wünschen sich täglich den Tod

Bombay (APA/dpa) - Die iranische Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi fordert von der deutschen Regierung eine öffentliche Entschuldigung für deutsche Chemiewaffen-Lieferungen an den Irak. "Ich verkünde meine Beschwerde gegen die deutsche Regierung, weil sie Chemiewaffen und Materialien an (den irakischen Ex-Diktator) Saddam Hussein verkauft hat", sagte die Anwältin am Sonntag am Rande des Weltsozialforums im indischen Bombay.

Öffentlich zu ihrer Schuld bekennen

"Saddam Hussein hat meine Landsleute im Krieg getötet", sagte die Friedensnobelpreisträgerin des vergangenen Jahres. Viele Iraner litten auch mehr als 15 Jahre nach dem Ende des iranisch-irakischen Krieges noch unter den Nachwirkungen von Chemiewaffeneinsätzen und wünschten sich täglich den Tod. "Vor Entschädigungszahlungen muss sich die Bundesregierung öffentlich zu ihrer Schuld bekennen und zusagen, diesen Fehler niemals und nirgendwo auf der Welt zu wiederholen", forderte Ebadi.

Kritisch bezüglich Kopftuchdebatten

Kritisch äußerte sich Ebadi zu den Kopftuch-Debatten in Deutschland und Frankreich. Mit Kopftuchverboten werde muslimischer Fundamentalismus nicht bekämpft, sondern gefördert, sagte sie. Der Plan der französischen Regierung, Schülerinnen mit Kopftuch aus dem Unterricht auszuschließen, spiele jenen Eltern in die Hände, die ihren Töchtern ohnehin keine Bildung zukommen lassen wollten.

Geduld haben

"Man muss Geduld haben", sagte Ebadi. Nach entsprechender Bildung würden viele Mädchen das Kopftuch von selbst ablegen. Jede Frau solle aber selbst entscheiden können, ob sie ein Kopftuch tragen wolle oder nicht, forderte sie. "Männer haben schließlich auch die Freiheit, eine Krawatte zu tragen", meinte Ebadi. (APA)

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    Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi forderte am World Social Forum in Bombay eine Entschuldigung Deutschlands für die Lieferung von Chemiewaffen an den Irak.

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