Klien: "Es macht irrsinnigen Spaß"

27. Jänner 2004, 13:49
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"Ein komisches Gefühl - Das ist wahnsinnig" - Jaguar-Pilot Christian Klien im Rahmen der Präsentation des neuen Boliden im Interview

Barcelona - Am Sonntag präsentierte der Formel-1-Rennstall Jaguar in Barcelona seinen neuen Boliden "R5". Im Vorfeld der Gala am "Circuit de Catalunya" sprach Österreichs Formel-1-Einsteiger Christian Klien im Interview mit der APA u.a. über die bisherigen Erfahrungen, sein Lieblings-Rennen in Imola, seinen Teamkollegen Mark Webber, die Angst im Rennsport, das auf den Kopf gestellte Privatleben und das Talent, das ihm zum Durchbruch verholfen hat.

APA: Sie sind seit eineinhalb Monaten Jaguar-Pilot - wie sieht Ihre erste Zwischenbilanz aus?
Klien: "Bis jetzt war alles sehr aufregend, die Tests, die Arbeit mit der Mannschaft - es gibt viele ganz neue Sachen. Es ist unglaublich, wie viele Leute für dieses Team arbeiten. Die letzte Zeit ist aber schon auch ein bisschen stressiger geworden, aber es macht irrsinnigen Spaß. Das ist das Ziel, das ich immer erreichen wollte."

APA: Wann haben Sie im Jahr 2003 das erste Mal daran gedacht, dass der Sprung in die Formel 1 gelingen könnte?
Klien: "Erst nach Ende der Formel-3-Saison. Als der Jaguar-Test in Valencia fix war und danach auch noch gut gelaufen ist, hab' ich mir gedacht: 'Ups, das könnte ja wirklich klappen.'"

APA: Am 7. März steht der Grand Prix von Australien auf dem Programm. Wie geht es Ihnen, wenn Sie an Ihr Debüt denken?
Klien: "Ich habe erst jetzt angefangen, leicht darüber nachzudenken, wie es sein wird. Bis Australien warten zunächst einmal vier harte und wichtige Testwochen, in denen wir das Auto schnell machen müssen. Wichtig wird sein, Renndistanzen zu absolvieren und Boxenstopps zu üben, also Rennen zu simulieren."

APA: Was ist das für ein Gefühl, demnächst mit Kalibern wie Schumacher oder Montoya um die Wette zu fahren?
Klien: "Ein komisches Gefühl. Früher hab' ich diese Leute immer nur im Fernseher gesehen und jetzt fahre ich mit ihnen zusammen im Rennen. Das ist wahnsinnig."

APA: Wer ist Ihr WM-Favorit?
Klien: "Ich denke, dass Williams und McLaren heuer sehr, sehr stark sein werden. Ich schätze, dass es sich diese beiden Teams untereinander ausfahren werden. Ich tippe auf Montoya oder Räikkönen. Ferrari hat das Handicap mit den Reifen."

APA: Wie würden Sie ihren Teamkollegen Mark Webber sportlich und charakterlich beschreiben?
Klien: "Fahrerisch ist er einer der absoluten Top-Piloten in der Formel 1. Speziell im Qualifying ist er immens stark, er kann alles in dieser einen Runde unheimlich gut umsetzen. Man kann als unerfahrener Pilot nur froh sein, wenn man so einen Teamkollegen hat, denn man kann viel lernen. Charakterlich ist er ein sehr starker Mensch, der professionell an die Sachen herangeht. Er ist sehr nett zu mir, wenn ich eine Frage habe, kann ich immer zu ihm kommen."

APA: Auf welches Rennen freuen Sie sich derzeit am meisten?
Klien: "Auf Imola. Es ist das erste Europarennen und die erste Rennstrecke, die ich schon kenne. Imola taugt mir, denn Schikanen liegen mir sehr gut."

APA: Niki Lauda hat gemeint, dass er auch Sie und nicht Alexander Wurz genommen hätte. Wie haben Sie diese Aussage aufgenommen?
Klien: "Es ist schön und eine Ehre, wenn das einer wie Niki Lauda sagt. Es zeigt, dass ich doch ein Talent haben muss und es deshalb in die Formel 1 geschafft habe."

APA: Ein Blick in die Zukunft - wo wollen Sie in einem Jahr stehen?
Klien: "Ich möchte eine gute Saison gefahren haben, wenige Fehler gemacht haben und einige Punkte im Sack haben. Und den Vertrag für die zweite Saison, denn mein aktueller Kontrakt läuft für ein Jahr mit Option auf ein zweites."

APA: Hat man als Rennfahrer manchmal die Gefahr oder sogar Angst im Hinterkopf?
Klien: "Dafür ist in der Formel 1 kein Platz. Du darfst keine Angst haben, sonst bist du gleich zwei oder drei Zehntel langsamer. Es macht mir einfach Spaß, schnell zu fahren und ans Limit zu gehen. Ich bin überzeugt, dass kein einziger Formel-1-Pilot an die Gefahr oder Angst denkt. Das darf kein Thema sein."

APA: Wie hat sich Ihr Alltag, speziell zu Hause in Vorarlberg, in den vergangenen Wochen und Monaten verändert?
Klien: "Ich habe nicht mehr so eine Privatsphäre wie vorher. Aber noch geht es. Wenn man am Abend weggeht, in irgendein Lokal geht, kennt man dich gleich, alle Blicke richten sich auf dich. Es wird getuschelt und geschaut. Aber das ist eben der Preis, den man bezahlen muss. Das gehört dazu." (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Christian Klien mit einer Miniatur-Raubkatze.

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