Professoren bettelten "oben ohne"

21. Jänner 2004, 17:42
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Doppelinauguration in Graz von Protestaktionen gegen Sparpolitik begleitet

Graz - Ein Spalier aus Institutsvorständen, Professoren und Assistenten, die ihr sprichwörtliches letztes Hemd ausgezogen hatten und mit Sparbüchsen schepperten, begrüßte am Samstag Festgäste in der Eingangshalle der Karl-Franzens-Universität. Die erste Doppelinauguration der über 400 Jahre alten Grazer Uni sollte ein besonders feierlicher Akt werden. Für einen großen Teil von Uni-Angehörigen sollte es aber vor allem ein Protestakt gegen den Sparkurs an der Uni und gegen das neue Universitätsorganisationsgesetz werden - und zwar in Anwesenheit von VP-Bildungsministerin Elisabeth Gehrer. Beides wurde die Amtsübergabe des Altrektors Lothar Zechlin an seine Nachfolger Alfred Gutschelhofer und Gerhard Franz Walter, den ersten Rektor der ausgegliederten Medizinischen Uni, allerdings nicht.

Buhrufe in der Aula

Denn nach Auflösung des Begrüßungsspaliers wurde auch die Feier selbst in der Aula gestört. VP-Bürgermeister Siegfried Nagl wurde ebenso ausgebuht wie VP-Bildungslandesrätin Kristina Edlinger-Ploder, deren Chefin, Landeshauptfrau Waltraud Klasnic, ihre Teilnahme in letzter Minute abgesagt hatte.

Angeführt wurde der Protest von der Geisteswissenschaftlichen Fakultät, wo zwölf Professuren nicht nachbesetzt werden sollen und überfüllte Hörsäle und schlecht bestückte Bibliotheken für wachsende Probleme sorgen. Noch vor dem Einzug der Akademischen Würdenträger entrollte der Institutsvorsteher der Slawistik, Wolfgang Eismann, ein Transparent über die ganze Länge des Festpodiums: "Stopp der Unterfinanzierung".

Gehrer hatte sich entschuldigen lassen und Hochschul-Sektionschef Sigurd Höllinger als Vertreter geschickt. Die Festrede, die Höllinger stellvertretend für die Ministerin hielt, wurde in der Folge von andauerndem Applaus unterbrochen und so akustisch gestört. Erst das Eingreifen von Zechlin und dessen Nachfolger Gutschelhofer sorgte kurzfristig für Ruhe.

Dass Gehrer ausbleiben würde, war offenbar erwartet worden: Im Auditorium waren mehrere Protesttafeln mit der Aufschrift "Warum sind Sie nicht hier Frau Minister?" zu sehen. (Colette M. Schmidt/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 20.1.2004)

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