Rotes Kreuz fordert "wesentliche Änderungen" in Guantanamo

19. Jänner 2004, 07:56
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Präsident Kellenberger besorgt über Behandlung der Gefangenen

Washington - Der Präsident des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Jakob Kellenberger, hat die USA dazu aufgefordert, den Gefangenen auf Guantanamo ein rechtmäßiges Verfahren zu garantieren. Er verlangte zudem "wesentliche Änderungen" im Lager. Bei seinen Gesprächen in Washington kritisierte der IKRK-Präsident laut einem IKRK-Communique, dass sich die Gefangenen teils seit zwei Jahren in offenbar unbegrenzter Gefangenschaft befänden. Das IKRK sei besorgt über gewisse Aspekte der Gefangenschaftbedingungen und der Behandlung der Gefangenen.

Die US-Behörden versicherten, dass der Überprüfungsprozess beschleunigt werden soll. Das könne zu neuen Freilassungen führen. Diese Zusagen begrüßte Kellenberger zwar, verwies aber zugleich auf die verbleibenden Gefangenen. Es sei wichtig, sicherzustellen, dass gegen diese entweder Anklage erhoben werde und sie vor ein Gericht gestellt würden. Oder dann müsse ihre anhaltende Gefangenschaft auf einer rechtlichen Basis beruhen.

"Illegale Kämpfer"

Der Großteil der 660 gefangenen mutmaßlichen Taliban- und El-Kaida-Kämpfer ist seit zwei Jahren ohne Anklageerhebung und ohne Zugang zu einem Anwalt inhaftiert. Die USA verweigern ihnen den Status und damit auch die Rechte von Kriegsgefangenen, sie halten sie für "illegale Kämpfer".

Nebst Guantanamo zeigte sich Kellenberger besorgt über das Schicksal einer nicht bekannten Zahl von Personen, die im Rahmen des Kampfes gegen den Terrorismus festgenommen worden sind und versteckt gehalten werden. Er forderte erneut Informationen über diese Gefangenen und Zugang zu ihnen.

Kellenberger war bei seinem zweitägigen Besuch in Washington mit US-Außenminister Colin Powell, Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice und Vize-Verteidigungsminister Paul Wolfowitz zusammengetroffen. (APA/sda)

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    Protestaktion von Amnesty International nahe der Londoner Downing Street - die Demonstranten wollten auf die Bedingungen der Gefangenschaft in Guantanamo Bay aufmerksam machen. Nun zeigt sich auch das Rote Kreuz besorgt.

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