Schwere Vorwürfe gegen "Körperwelten"- Ausstellung

19. Jänner 2004, 17:50
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"Spiegel": Leichen von hingerichteten Chinesen "verarbeitet"

Hamburg - Der Initiator der umstrittenen Ausstellung "Körperwelten", der deutsche Mediziner Gunther von Hagens, hat nach Informationen des Hamburger Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" offenbar über Jahre hinweg mit Leichen gehandelt und für die Herstellung seiner Präparate auch Körper von in China hingerichteten Strafgefangenen verwendet. Nach einer Inventurliste aus dem November 2003 lagerten in seiner Firma "Von Hagens Plastination Ltd." in der chinesischen Stadt Dalian insgesamt 467 "Ganzkörper", die für Ausstellungen und den Verkauf an Universitäten aufbereitet werden sollten.

Menschenrechtsorganisationen werfen den chinesischen Behörden seit Jahren Handel mit Organen hingerichteter Häftlinge vor. Zum Tod verurteilte Häftlinge würden "je nach Bedarf" exekutiert. Entnommene Organe würden zu hohen Preisen an ausländische Patienten verkauft.

Hagens hat immer angegeben, bisher lediglich 250 Leichen von "Körperspendern" erhalten zu haben. Unter den in Dalian gelagerten Körpern befinden sich laut "Spiegel" offenbar auch die sterblichen Überreste von hingerichteten Strafgefangenen. Nach internen Geschäftsunterlagen wurden im Dezember 2001 die Leichen eines jungen Mannes und einer jungen Frau angeliefert, die erst kurz zuvor exekutiert worden waren. So wiesen die Köpfe der Toten "ein Einschussloch" auf. Hagens räumte gegenüber dem "Spiegel" ein, dass Mitarbeiter seines Unternehmens die Leichen damals angenommen hätten. Er selbst sei über den Vorgang allerdings "entsetzt" gewesen und habe die Mitarbeiter später entlassen.

Hagens und seine Ehefrau Angelina legten, so der Bericht des Magazins, bei der Beschaffung von Leichen schon früh eine "ungewöhnliche Kreativität" an den Tag. Nach dem Tod des deutschen Fürsten Johannes von Thurn und Taxis 1990 boten sie der Witwe Gloria schriftlich an, ihren verstorbenen Mann zu plastinieren. Anderes würde "seiner Persönlichkeit nicht gerecht werden".

Die Volksrepublik führt mit großem Abstand die Liste der Staaten an, in denen Hinrichtungen stattfinden. Nach Angaben vom amnesty international (ai) stieg die Zahl der Todesurteile, die jährlich vollstreckt werden, mittlerweile auf 15.000. Die Prozesse sind nach ai-Erkenntnissen nur eine Formalität, da die Urteile schon vorher feststehen. (APA)

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