Wien-Mitte wird wieder ein wenig höher

20. Jänner 2004, 11:42
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Ende des Monats sollen die neuen Pläne präsentiert werden - sie werden ein weiteres Stockwerk vorsehen.

Das Siegerprojekt vom städtebaulichen Wettbewerb zur Überbauung des Bahnhofs Wien-Mitte wurde auf Wunsch der Jury noch einmal adaptiert. Ende des Monats sollen die neuen Pläne präsentiert werden - sie werden ein weiteres Stockwerk vorsehen.

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Wien - In das Projekt Wien- Mitte kommt wieder Bewegung: Ein Teil der geplanten Gebäude soll wieder ein wenig höher werden. Wie Planungsstadtrat Rudolf Schicker auf Standard-Anfrage bestätigte, wird das modifizierte Projekt am 26. Jänner der Wettbewerbsjury, dem Planungs- Fachbeirat und Parteienvertretern präsentiert.

Architekt Dieter Henke vom Architektenbüro Henke & Schreieck, das den Wettbewerb zur Überbauung des Wien-Mittegeländes gewonnen hat, erläutert die Überarbeitung der Pläne: "In den wesentlichen Grundzügen bleibt das Projekt erhalten", es werden die Bauteile "nur in sich verdichtet". Fix ist, dass der U-förmige Bau rund um den rund 60 Meter hohen Turm um ein Stockwerk höher wird.

Zu wenig Kubatur

"Die Kubatur des Siegerprojektes war deutlich unter der Auslobung", erläutert Schicker. Das bedeutet, dass die Architekten das maximal zulässige Bauvolumen gar nicht ausgenutzt haben. "Die Erhöhung war auch von der Jury empfohlen worden." Überdies habe geklärt werden müssen, ob die Statik des Entwurfes auch tatsächlich funktioniere.

All das soll nun am 26. Jänner präsentiert und diskutiert werden. Dann wird sich weisen, ob die ÖBB bei ihren bisherigen Pachtforderungen fle 2. Spalte xibel sind und in der Folge, ob das Projekt überhaupt wirtschaftlich ist.

Der Investor, die Bauträger Austria Immobilien, kam dem Ersuchen um Stellungnahme zum Stand des Projekts bis Redaktionsschluss nicht nach. Stadtrat Schicker hat "vom Bauträger gehört, dass man Interesse habe, weiter zu machen und das Projekt schrittweise zu realisieren".

Der Fall der Türme

Das ursprüngliche Vorhaben mit vier bis zu 97 Meter hohen Türmen war im Vorjahr zu Fall gebracht worden - vor allem durch den drohenden Entzug des Unesco-Welterbestatus der Wiener Innenstadt.

Im Mai waren daher Architekten aus dem In- und Ausland zu einem neuen städtebaulichen Wettbewerb geladen worden. Diesen gewann dann Anfang Oktober das Architektenduo Henke & Schreieck. Sie hatten einen hufeisenförmigen Bau präsentiert. Dazu entwarfen sie einen rund 60 Meter hohen Turm, der den Übergang zum bereits errichteten Justizhochhaus bilden wird; im Inneren des Ensembles liegen zwei weitere, flache Gebäude.

Weiters waren im Konzept eine "Shoppingkaskade", jede Menge Büros und Wohnungen, sowie Cafés und Restaurants vorgesehen. Über einen Kindergarten und eine Polizeistation wird diskutiert. Die Markthalle könnte adaptiert oder neu gebaut werden.

Francesco Bandarin, Direktor des Welterbebüros der 3. Spalte Unesco hatte im Standard- Interview zum neuen Projekt erklärt, er sei "mehr als zufrieden, wir sind ausgesprochen glücklich, dass die Botschaft des Welterbekomitees ernst genommen wurde".

Alte Verträge

Nach der neuerlichen Jurysitzung wird sich nun auch noch zeigen, wer die einzelnen Bauteile dann tatsächlich umsetzen wird. Die Architekten des alten Projektes - Neumann&Steiner, Lintl&Lintl, Ortner&Ortner - hatten schon im Vorfeld des städtebaulichen Wettbewerbs darauf gepocht, dass es bestehende Verträge mit dem Investor gebe: Man gehe davon aus, dass die ursprüngliche Planerriege nach Vorlage der neuen Bebauungsbedingungen wieder hinzugezogen werde. (Roman Freihsl,Andrea Waldbrunner, Der STANDARD Printausgabe 17/18.1.2004)

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