Ein selbstironisches Stadtbilderbuch

16. Jänner 2004, 20:46
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"Das funktioniert ja wirklich so!" Melanie Merio, Wiens ungekrönte Königin des 80er-Jahre-Retro-Trashs, war begeistert: Plötzlich standen Donnerstagnachmittag echte Shoppingcenter-Besucher auf der Bühne der Lugner City und baten höflich um Autogramme - und zwar ohne jede Ahnung, wer oder was Frau Merio ist. Es genügte ihnen - und denen, die sich später auch noch anstellten -, zu sehen, dass da jemand mit den Insignien zeitgenössischer Wichtigmenschen auftrat (Bodyguards, Fanclub, Fotografen, Mikrofongefuchtel und Kamerateam). Ein Mall-Teenager war sogar der festen Überzeugung, Merio schon "oft im Fernsehen" gesehen zu haben - nur das Wann und Wo sei ihm gerade entfallen.

In Wirklichkeit hatte die Modemacherin (www.merio.at) die Lugner City bloß als Kulisse für das finale Shooting ihres Mode- und Szenekatalogs gewählt. Die Modeplattform Unit F hatte ihr den Katalog gesponsert - statt aber einfach Models in Fummel abzulichten, beschloss die Designerin mit Freunden und Figuren - von Phettberg bis Richard Dorfmeister - an schönen oder kranken Locations ein "richtig schön selbstironisches" Stadt- und Modebilderbuch zu fotografieren. Die Lugner City, so Merio, schien ihr der ideale Ort für die Selbstinszenierung als Society-Starlet. Freilich: Dass es wirklich so einfach ist, Leuten einzureden, dass man prominent und wichtig sei, hat sie dann doch überrascht. (DER STANDARD Printausgabe 17/18.1.2004)

  • Fotoshooting zu Melanie Merios Fashionkatalog (im Bild von links) Melmerio, Heinz Tronniger und Matthias Kamp
    foto: thomas rottenberg

    Fotoshooting zu Melanie Merios Fashionkatalog (im Bild von links) Melmerio, Heinz Tronniger und Matthias Kamp

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