Zwölf-Stunden-Schicht im Unterinntaltunnel

18. Jänner 2004, 20:11
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Ministerium sieht sich nicht verantwortlich

Innsbruck/Terfens - "Das ist Sache der Baufirmen, allenfalls des Managements der Brenner-Eisenbahn-Gesellschaft BEG", heißt es im Verkehrsministerium. Das Ministerium trage keine Verantwortung, "die BEG ist ausgegliedert". Tirols SPÖ-Abgeordneter Erwin Niederwieser sieht es anders: Er verlangt "eine neue Arbeitszeitregelung binnen einer Woche", sonst würden sich Verkehrs- und Arbeitsminister "verantworten müssen": Die BEG "gehört der öffentlichen Hand".

15 Stunden in einer Schicht

Der ÖGB-Tirol hatte Vorwürfe erhoben, dass beim Bau des "Luise"-Tunnels im Unterinntal das Arbeitszeitgesetz "grob" gebrochen werde. In Zwölf-Stunden-Schichten würde gebaut, vereinzelt würden Arbeiter "bis zu 15 Stunden in einer Schicht" an der Zulaufstrecke zum geplanten Brennerbasistunnel "arbeiten müssen", so ÖGB-Chef Franz Reiter. Gesetzlich sind neun Stunden zulässig, eine zehnte mit Sondergenehmigung des Arbeitsinspektors. Ein Viertel an Kosten würde sich so das Baukonsortium unter Führung der Strabag ersparen.

Bau-Projektleiter Christian Gamper hält die Zwölf-Stunden-Schicht für zulässig. Drei Stunden seien "Bereitschaft". Für den ÖGB ein "Täuschungsmanöver". Die Firmen wären laut Gamper zur Umstellung auf Acht-Stunden-Schicht bereit: "Es bräuchte 20 weitere Mineure". Der BEG ist die Sache "unangenehm". Sie habe "keine Möglichkeit, die internen Abläufe der Baustellen zu beeinflussen", heißt es. Die BEG gehe aber davon aus, "dass es in Ordnung gebracht wird", sagt Pressesprecher Martin Pellizzari. (bs, DER STANDARD Printausgabe 17.1.2004)

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