Gemüse schneiden oder Beine spreizen

17. Jänner 2004, 17:25
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Julius Deutschbauer und Gerhard Spring bieten im Tanzquartier "1000 Dienste" an

Wien - Während sich Wiener Sprechtheaterbühnen um eine Frischzellenkur vonseiten des Tanztheaters bemühen, fasst seinerseits das Wiener Tanzquartier den Performancebereich weitestmöglich - und präsentiert an drei Tagen (letzter Tag: Samstag, 20.30 Uhr) eine aktionistische Kunstinstallation von Julius Deutschbauer und Gerhard Spring.

Man könnte die Dienstleistungsschau der seit bald vier Jahren im Duo auftretenden Herren im theatralisch-dramaturgischen Sinn als minimalistisches Stationendrama verstehen: Hunderte Gegenstände - von der Badewanne bis zum Bügelbrett - markieren auf der Halle-G-Bühne des Museumsquartiers einen von lästigen Verpflichtungen gesäumten Alltag.

In dieser 1000 Dienste evozierenden Landschaft eilen die zwei Dienstmänner samt wechselnden Bedienten (aus dem Publikum) im Gefolge einer Crew von Helfershelfern (Mikrofon, Handycam etc.) von einer Verrichtung zur nächsten. Gemüse schneiden oder Beine spreizen, je nach Bedarf. Man muss nur kräftig in die am Saaleingang erstandene Dienstpfeife blasen. Die Frage danach: "Was für ein Bindeglied bringt der von uns geleistete Dienst zwischen uns zutage?" Oder, im Begriff, für jemanden den Aschenbecher auszuleeren: "Verleiht Ihnen dieser Dienst mehr Charisma?" Die Antwort war Ja. Die auf Großleinwand zugespielten Außendienstmitarbeiter (ebenfalls Deutschbauer/Spring) machten sich - mit decouvrierenden Effekten - u. a. an Personen rund ums Museumsquartier dienstbar.

Insgesamt geht hier Quantität vor Qualität, denn richtige Diener sehen trotz sandfarbenen Drillichs anders aus. Bedient wird freilich nicht der Sache wegen, sondern aus Prinzip, hinein in eine Dienstleistungsgesellschaft, die die vorderhand unvergüteten Taten mit Unbehagen über sich ergehen ließ. Es sei denn, man erfasst hier das Theater als Dienstleistungsunternehmen in Reinkultur. (afze, DER STANDARD, Printausgabe vom 17./18.1.2004)

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