Protest als symbolische Geste

28. Jänner 2004, 18:49
10 Postings

Bei der Umsetzung des Uni-Gesetzes haben nur die Studenten Haltung bewahrt - von Samo Kobenter

An den Protesten der Studierenden gegen das Universitätsgesetz verwundert lediglich, dass sie nicht schon früher begonnen haben und nicht heftiger ausgefallen sind als nun die Besetzung des Rektorats und Senatssitzungssaals der Universität Wien.

Wer sich jetzt erwartet, dass mit dieser Besetzung der Auftakt zu großen Unruhen im Stil der späten 60er-Jahre gegeben ist, irrt in mehrfa- cher Hinsicht. Zum einen ist die Universitätsreform nicht mehr aufzuhalten. Sie macht der studentischen Mitbestimmung, deren Entwicklung vor mehr als 30 Jahren ihren Anfang nahm und die in diversen Organisationsgesetzen der ungleich bildungsfreundlicheren 70er-Jahre ihren Ausdruck fand, endgültig den Garaus.

Das wissen natürlich auch die Organisatoren der Protestaktion an der Universität Wien, und sie wissen, was das bedeutet: Dass nämlich die Bereitschaft eines Großteils der Studentinnen und Studenten, anhaltenden Widerstand gegen diese Bevormundung in einem der wesentlichen Abschnitte ihrer Ausbildung zu leisten, nicht sehr groß sein wird.

Schon jetzt sind viele nur noch daran interessiert, die Bildungsstätten, die durch jahrelange finanzielle Unterdotation, fehlendes Lehrpersonal, eine teilweise absurde Raum-, Forschungs- und Lehrsituation sowie die Einhebung einer semesterlich zu berappenden Studiengebühr zunehmend unwirtlich geworden sind, so schnell als möglich hinter sich zu bringen. Verdenken kann man es ihnen nicht.

Wahrscheinlich ist es auch zu billig, gerade von dieser Gruppe der Gesellschaft zu verlangen, was der Rest nicht tut, nämlich den geist- und bildungsfeindlichen Plänen dieser Regierung entgegenzutreten. Noch nie hat eine Regierung so viel über Bildung, Lehre und Forschung gesprochen und so wenig für ihre Institutionen getan wie diese.

Nicht einmal im österreichischen Fußball, der seit Jahren in einem bejammernswerten Zustand darniederliegt, wird das Prädikat "Weltklasse" so unverfroren zum angestrebten Ideal erklärt wie von den Bildungspolitikern dieser Regierung - nachdem sie die Hochschulen jahrelang herabgewirtschaftet haben, um ihnen nun die Verwaltung ihres Mangels großzügig selbst zu überlassen.

Beachtenswert an dem letzten traurigen Akt, der diese Universitätsreform genannte Exekutierung eines unabhängigen, auf Partizipation all seiner Träger ausgerichteten demokratischen Systems begleitet, ist die Lethargie und mangelnde Solidarität untereinander, mit der vor allem die Rektoren und Professoren der Unis das hinnehmen.

Man kann ja wirklich nicht sagen, dass sie die Implementierung des Universitätsgesetzes unvorbereitet trifft. Aber statt sich über die eigenen Partikularinteressen hinaus zu einer solidarischen Interessengemeinschaft zusammenzuschließen und der Politik ein für alle Hochschulen praktikables Gegenkonzept auf den Verhandlungstisch zu legen, waren es die meisten zufrieden, wenn es ihr Haus, ihre Fakultät, ihren Schrebergarten nicht ganz so heftig verhagelte wie das des Nachbarn. Mit solchen Gegnern hat es selbst eine nicht gerade als taktisches Genie verschriene Wissenschaftsministerin wie Elisabeth Gehrer alles andere als schwer.

Unter solchen Umständen kommt dem studentischen Protest nicht mehr als dekorative Bedeutung zu. Dennoch ist er wichtig, weil er, wenn auch eher symbolisch als effizient, eine Geste setzt, zu der die meisten Lehrer der jungen Leute beschämenderweise nicht fähig waren.

Aber auch hier gibt es Ausnahmen, wie das Beispiel der ÖVP-nahen Aktionsgemeinschaft (AG) zeigt, die sich nicht nur gegen die Protestaktionen gewendet, sondern im Senat der Universität Wien dem Gesetz auch noch zugestimmt hat. Vielleicht sollten sich die zuständigen Funktionäre daran erinnern, dass die AG einmal eine Studentenvertretung war, ehe sie zum Wurmfortsatz der schwarzen Bildungspolitik schrumpfte. Doch das ist ohnehin nur eine Fußnote. (DER STANDARD, Printausgabe, 17.1.2004)

Share if you care.