Davide Croff ist neuer Präsident der Biennale

23. Jänner 2004, 12:40
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Auf Manager warten heikle Aufgaben wie die Suche für Nachfolger von Moritz de Hadeln

Venedig/Rom – Über die Polemiken der letzten Monate will er nicht sprechen. Davide Croff gibt sich nach seiner Ernennung zum Präsidenten der Biennale eher wortkarg. "Lassen Sie mich mein Amt erst antreten", sagt der 55-jährige Manager. Croff ist Venezianer. Genau das hatte der Präsident der Region Venetien und Berlusconi-Vertraute Giancarlo Galan gefordert. Und Kulturminister Giuliano Urbani erfüllte ihm seinen Wunsch.

Kirchturmpolitik an der Spitze der Biennale? "Ich bin meiner Stadt sehr verbunden", wehrt Croff ab. "Dem internationalen Anspruch der Biennale tut das keinen Abbruch." Der in Oxford ausgebildete Exfinanzdirektor bei Fiat genießt über Parteigrenzen hinweg großes Ansehen, sitzt im Aufsichtsrat der Accademia Nazionale di Santa Cecilia und ist Präsident der Musikstiftung Levi in Venedig. Die Leitung der Biennale übernimmt er in einem heiklen Moment: Ein neues Gesetz hat die Trägergesellschaft in eine Stiftung umgewandelt, die nach Belieben Aufträge an Private vergeben kann. Erstmals kann die Biennale Veranstaltungen auch mehreren Personen anvertrauen.

"Doch jetzt muss er seine Unabhängigkeit beweisen."

Croff hat zunächst einen Nachfolger für den Leiter der Filmfestspiele, Moritz de Hadeln, zu finden, dessen Ablösung Urbani betreibt. "Der Minister hat mir nie erklärt, was er an meiner Arbeit auszusetzen hat", erregt sich De Hadeln. Die Opposition befürchtet, dass über das neue Statut Berlusconis Mediaset und die Cinecittà-Holding in die Organisation der Filmfestspiele eingeschleust werden.

"Wir schätzen Croff", versichert der Mediensprecher der Linksdemokraten, Giuseppe Giulietti. "Doch jetzt muss er seine Unabhängigkeit beweisen." Dazu hat der Manager eher Gelegenheit, als ihm lieb ist. Denn Urbani, der ihn bestellt hat, fordert bei der Biennale eine stärkere Vertretung italienischer Regisseure und Produzenten. Verständlich, dass die Anwärter auf die Nachfolge De Hadelns zwei Italiener sind: der Schauspieler Giancarlo Giannini und der Produzent Marco Müller. (DER STANDARD, Printausgabe vom 17./18.1.2004)

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