Ekel schützt vor Krankheit

19. Jänner 2004, 09:00
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Zu dem Schluss kommen ForscherInnen nach der Befragung von mehr als 40.000 Menschen - Kritiker wirft Kultureinfluss ein

London - ForscherInnen der London School of Hygiene and Tropical Medicine sind zum Schluss gekommen, dass gesundheitsgefährdende Objekte eher unter die Kategorie ekelerregend subsumiert werden als harmlose, berichten sie im Wissenschaftsmagazin Biology Letters. Das bedeutet, dass Ekel die Menschen vor Krankheiten schützt. Mehr als 40.000 Menschen um den Globus wurden für die Studie über die Empfindung "was ist eigentlich ekelhaft" befragt.

Die Studie hat gezeigt, dass Kot, Ausscheidungsprodukte, Wunden, Körperflüssigkeiten, Verderbendes und Verfaulendes global gesehen als ekelerregend eingestuft wurden. "Gerade in jenen Dingen stecken Gefahren für die Gesundheit", erklärt Studienleiterin Valerie Curtis. Das lege nahe, dass es eine biologische und angeborene Programmierung gibt, die sozusagen den Kontakt mit diesen Dingen vermeidet, führt Curtis aus. Wissenschaftler waren bisher davon ausgegangen, dass der Mensch erst lernt, sich vor gewissen Dingen zu ekeln.

"Wir haben eine Prädisposition Kot ekelhaft zu finden. Umgekehrt kann man einem Kind nicht Ekel vor Orangen oder Bonbons beibringen", erklärt Curtis, die davon ausgeht, dass diese Prädisposition des Ekels genetisch verankert ist, aber im Laufe des Lebens durch Erfahrung gesteigert wird. "Jedes unserer Verhaltensmuster kann durch gelernte und biologische Komponenten definiert werden", so die Expertin. Aus der Studie ging auch hervor, dass Frauen eine höhere Sensitivität für Abscheu und Ekel haben. Das habe möglicherweise mit der Aufgabe des Aufziehens der Kinder zu tun.

Widerspruch: Kulturbeeinflusst

Den Aussagen der Forscherin widerspricht der Psychologe Clark McCauley von der Bryn Mawr Universität in Pennsylvania. "Dass Ekel einen evolutionären Hintergrund hat, ist offensichtlich. Das schützt uns davor, verdorbenes Fleisch zu essen. Aber Abneigung gegen verschiedene Dinge sind wesentlich von der Kultur beeinflusst", so der Experte. Denn was Menschen heute eklig finden, gehe weit über den evolutionären Begriff hinaus. "Der biologische Mechanismus wurde in verschiedenen kulturellen Horizonten wesentlich ausgedehnt", erklärt McCauley. Das werde etwa durch die unterschiedliche Haarpflege in verschiedenen Kulturen klar, meint der Experte zu BBC-Online.

Die Untersuchung von Curtis wurde mithilfe einer BBC-Website durchgeführt. Die Teilnehmer mussten verschiedene Fotos nach dem "Ekligkeitsgrad" beurteilen. (pte)

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BBC
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    foto: photodisc
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