Über 1500 "Kastenlose" ziehen in Bombay ein

20. Jänner 2004, 14:53
posten

Viele trugen gelbe Stirnbänder mit der Aufschrift: "Dalits machen eine andere Welt möglich" - Bauernführer Bove bekundet Solidarität

Bombay - Tanzend und singend sind am Freitag mehr als 1500 Angehörige der indischen "Kastenlosen" zum Weltsozialforum in Bombay (Mumbai) eingezogen. "Die Versammlung ist nur der Anfang unserer Umgestaltung", sagte der Leiter der Nationalen Kampagne für die Menschenrechte der Dalits, Paul Divakar, in der indischen Millionenstadt. "In der Gemeinschaft herrscht Wut über die Erniedrigungen, die wir erlitten haben."

Viele Dalits trugen gelbe Stirnbänder mit der Aufschrift "Dalits machen eine andere Welt möglich". Der US-Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch zufolge werden Jahr für Jahr 100.000 Verbrechen gegen Dalits verübt.

Das indische Kastensystem unterscheidet die Bevölkerung in vier große Gruppen (Brahmin, Kshatriyas, Vaisyas und Sudras). Unterhalb der vierten und niedersten Kaste gibt es noch eine weitere Gruppe, die im Grunde überhaupt kein Ansehen mehr genießt. Früher wurden die Angehörigen dieser Gruppe "Unberührbare" genannt; jetzt heißen sie "Dalits" (etwa: "in Stücke gebrochen"). Der Freiheitskämpfer Mahatma Gandhi nannte sie euphemistisch "Harijan" (Kinder Gottes), eine Bezeichnung, die die Dalits ablehnen.

Nach ihren eigenen Angaben leben in Indien 240 Millionen Dalits, was einem Bevölkerungsanteil von fast 25 Prozent entspricht.

Der französische Bauernführer Jose Bove fand sich an einem "Solidaritätszelt" für die Dalits ein und wurde von Anhängern umringt. "Wir sind machtlos", sagte der bekannte Globalisierungskritiker. "Aber wir sind hier, um unsere Solidarität auszudrücken und unsere Betroffenheit zu zeigen." (APA)

Share if you care.