Libro füllt die Speisekammern

28. Jänner 2000, 20:50

Vollgas bei Internet-Wertsteigerung - Vorrecht für eigene Aktionäre bei Lion-Emission

Wien - Libro-Chef André Rettberg, Vorkämpfer gegen die Buchpreisbindung, ist nun, wenige Tage vor dem erwarteten Schiedsspruch von EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti, gelassen. Egal wie die Entscheidung ausfalle, Libro sei "gerüstet". Zudem würde eine etwaige Beibehaltung der Bindung "in drei Jahren" durch Marktkräfte ohnedies völlig aufgehoben.

Sollte die Preisbindung fallen, dann steht dem Buchmarkt in Österreich jedenfalls eine groß angelegte Werbeoffensive bevor, die rund 20 Mio. S schwer sein könnte. Rettberg setzt dabei aber in jedem Fall auf die Kraft des Internet und seiner Vertriebsmöglichkeiten, das die Gesetzgeber ja ausgespart haben.

Bei der angepeilten Wertsteigerung des Konzerns gibt Rettberg in allen Sparten Vollgas. Das aggressive Motto: "Wir sind die Marktmacher." Im März wird Libro ein eigenes Plattenlabel unter dem Namen "Intonation" vorstellen, das einerseits österreichische Musiker verlegen und andererseits Rechte an internationalen Titeln erwerben wird. Positioniert sei das Label "für Junge", sagt Rettberg im Gespräch mit dem STANDARD und nennt Kruder & Dorfmeister als geschmackliche Wegweiser.

Gleiches ist jetzt für den Ausbau des Eigenverlags Libro vorgesehen: die Akquisition junger heimischer Autoren und der Erwerb internationaler Verlagsrechte gängiger zeitgenössischer Literatur.

Rettberg: "Das brauchen wir auch zur Anreicherung unserer Online-Aktivitäten in der Lion.cc." Hier geht die Wertsteigerung dank vorgezogener Investitionen in Höhe von 428 Mio. S (31,1 Mio. EURO) in den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahrs voran. Wie auch beim Konkurrenten Yline mit seinen Gratis-PCs ist die Devise im Internet-Bereich: User generieren, um die Firmenbewertung nach oben zu treiben.

Spannende Bewertung

Lion.cc wird ja per 29. Februar für die Paarung mit den Online-Aktivitäten der Telekom Austria (A Online) bewertet und hat derzeit als Grundlage 150.000 Subscriber und ist laut Web-Analyse nach dem ORF die zweithäufigst besuchte Homepage. Das Internet-Angebot Free&Easy-Box zähle bereits 19.000 Kunden, sagt Rettberg.

Ausgehend von einer Bewertung mit bis zu etwa 1000 Dollar je Subscriber stünde Lion bis zu drei Mrd. S schwer dem Joint-Venture-Partner Telekom Austria - eventuell gemeinsam mit dem ORF - gegenüber. Damit wäre Lion fast so viel wert wie die Marktkapitalisierung der Libro AG zum derzeitigen Kurs in Wien.

Die Bewertung der A Online erfolgt per Stichtag 31. 12. 1999. Libro will zunächst 49 Prozent an Lion behalten und sich auf "bis zu 33 Prozent" (Rettberg) zurückziehen. Die Analysten beurteilen die Strategie "Expansion auf Kosten des kurzfristigen Ertrags"durch die Bank positiv: Trotz Gewinnrevision empfiehlt die Deutsche Bank "kaufen", die Erste Bank sagt "outperformen", die Raiffeisen Zentralbank "übergewichten", nur die CA IB "halten". Zum Zeitpunkt des für 2000 geplanten Börsegangs für Lion will Rettberg sich noch nicht festlegen, auch die Wiener Börse sei nicht notwendigerweise Emissionsplatz, aber: "Es wird sicher eine sehr attraktive Lösung für Libro-Aktionäre geben." Möglich ist eine bevorzugte Zuteilung oder fixe Bezugsrechte für Libro-Inhaber.(Karin Bauer)

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