Mannesmann-Prozess beginnt - Esser und sein Golden Handshake

21. Jänner 2004, 15:51
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Manager erhielt nach gescheitertem Kampf gegen Übernahme durch Vodafone insgesamt 30 Millionen Euro

Rund 30 Mio. Euro hat der frühere Mannesmann-Chef Klaus Esser nach seinem gescheiterten Kampf gegen die Übernahme durch Vodafone an Prämien und Abfindungen erhalten. Probleme hat der der 56-jährige Manager damit nie gehabt. Schließlich betrage die ihm gezahlte Anerkennungsprämie nicht einmal 0,2 Promille des Gewinne, den die Aktionäre gemacht hätten, sagte er einmal. "Ich bin der Meinung, dass die Höhe der Zuwendung am Erfolg des Managers gemessen werden soll."

"Die Anklage ist willkürlich, die Wahrheit ist einfach."

Der Manager, der sich ab Mittwoch im Mannesmann-Verfahren wegen des Vorwurfes der Beihilfe zur Untreue verantworten muss, fühlt sich von der Staatsanwaltschaft zu Unrecht verfolgt. "Die Anklage ist willkürlich, die Wahrheit ist einfach. Im Übernahmekampf habe ich mich äußerst korrekt verhalten. Es gibt nicht den geringsten Verdacht für irgendein rechtswidriges Handeln von mir", beteuerte er wiederholt.

Nur ein Jahr lang war Klaus Esser Chef des deutschen Mannesmann-Konzerns. Doch was war das für ein Jahr. In einer atemberaubenden Einkaufstour machte der Manager den Düsseldorfer Technologiekonzern zum erfolgreichsten privaten Telekommunikationsanbieter in Europa.

Abgang

Und dann verlor er alles wieder - in der größten Übernahmeschlacht der deutschen Wirtschaftsgeschichte musste sich der promovierte Jurist dem britischen Vodafone-Chef Chris Gent geschlagen geben. Nach monatelangem Schlagabtausch sicherte sich der britische Mobilfunkriese Vodafone Anfang 2000 für rund 180 Milliarden Euro das Sagen in Düsseldorf. Esser blieb nur der Abgang.

Doch dem Mannesmann-Chef wurde sein Abschied versüßt: mit Abfindung und Erfolgsprämien in einer Gesamthöhe von 30 Mio. Euro - eine Summe die bis dahin in Deutschland unvorstellbar war. Dies rief nicht nur Neider auf den Plan, sondern auch die Justiz. Sie wirft Esser und den anderen Angeklagten vor, die Wirren nach Übernahmeschlacht zur Bereicherung genutzt zu haben. Esser steht wieder im Scheinwerferlicht: doch diesmal nicht als erfolgsverwöhnter Manager, sondern als einer der Angeklagten im spektakulärsten Wirtschaftsprozess der deutschen Justizgeschichte.

Gegenangriff

Längst ist der Manager zum Gegenangriff übergegangen. Wegen Rufschädigung und Amtspflichtverletzung reichte er Klage gegen die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft ein. Der Erfolg war allerdings begrenzt. In erster Instanz billigte ihm das Landgericht Düsseldorf zwar ein Schmerzensgeld von 10.000 Euro zu, weil die Staatsanwälte zu freigiebig mit ihren Informationen an die Öffentlichkeit gegangen seien. Doch in der wichtigeren Frage unterlag Esser. Die Richter befanden, dass die Einleitung des Ermittlungsverfahrens gegen Esser angesichts der Faktenlage gerechtfertigt sei.

Beruflich arbeitet der frühere Mannesmann-Chef inzwischen als einer von zwölf Partnern der amerikanischen Private Equity Gesellschaft General Atlantic Partners. (Von Erich Reimann/AP)

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