Heinz Fischers Credo ist die Ausgewogenheit

25. April 2004, 16:54
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Zweiter Nationalratspräsident geht ins Rennen um das höchste Amt im Staat

Wien - Er ist einer der erfahrensten sozialdemokratischen Politiker und gilt als besonnen und kalmierend: der Zweite Nationalratspräsident und SPÖ-Vizechef Heinz Fischer. Mit diesen Eigenschaften will der 65-Jährige für die SPÖ nach 18 Jahren wieder die Präsidentschaft holen. Fischer werden gute Chancen für den Einzug in die Hofburg eingeräumt, da sein Bekanntheitsgrad hoch ist und selbst politische Gegner seine Zurückhaltung schätzen. Gelaufen ist die Sache angesichts der hohen Popularität seiner Gegenkandidatin Außenministerin Benita Ferrero-Waldner freilich noch lange nicht.

Absolut loyal

Fischer steht für absolute Loyalität zur Partei und ihrem jeweiligen Vorsitzenden, sein Credo ist die Ausgewogenheit, sein Werdegang bereits 40 Jahre lang mit dem Parlament verbunden. Der Verfassungsjurist ist seit 1971 Abgeordneter zum Nationalrat, unterbrochen nur von mehr als drei Jahren als Wissenschaftsminister. Zwölf Jahre lang war Fischer Nationalratspräsident, seit Ende 2002 muss er sich mit dem zweiten Platz begnügen. Er ist kein Mann verbaler Schnellschüsse, kein Stammtisch-Politiker, Fischer wägt Für und Wider genau ab, liebt bedachte Formulierungen und Nuancierungen.

Keine "Seitenblicke"-Figur

Pfeifenraucher Fischer ist keine schillernde "Seitenblicke"-Figur. Privates ist wenig bekannt, ab und zu findet sich ein Bild in Bergsteigerkluft, oft in der Gegend seiner geliebten Hohen Wand. Gefühlsausbrüche in der Öffentlichkeit sind nicht seine Sache. In kleinem Kreis kann er schon laut werden, wird erzählt - aber nur, wenn es der Sache, der Partei, dient. Fischer, ein Parteisoldat? Diesen Begriff will er nicht, hat er einmal in einem Interview erklärt, "überzeugter Parlamentarier", das ist die Punze, die er akzeptiert, weil "der Parlamentarismus ist mit dem Pluralismus verbunden, und das passt mit der Sozialdemokratie zusammen".

Das Wirken des langjährigen SPÖ-Politikers rief auch Kritiker auf den Plan. So hat der Politikwissenschafter Norbert Leser in seinem 2000 erschienen Buch "...auf halben Weg und zu halber Tat..." ein Kapitel "Der Überlebenskünstler: Heinz Fischer" geschrieben, in dem er schonungslos mit dem Wirken Fischers abrechnet. So meint er etwa zum Absturz der SPÖ: "Wenn aber nicht 'Keiner' und auch nicht 'Alle' verantwortlich sind, sondern 'Jemand', so heißt dieser Jemand in erster Linie Heinz Fischer. Doch Selbstkritik ist Fischer ebenso fremd wie Schuldzuweisung an andere in der Partei. Seine Erzählkunst besteht darin, wie auf den CDs über die Geschichte der Zweiten Republik, im Ton eines Märchenonkels Tatsachen und Ereignisse aneinander zu reihen, ohne die Hintergründe zu beleuchten und sichtbar zu machen."

Kreisky-Wiesenthal-Affäre

Als eine der umstrittensten Aktionen in seiner Karriere gilt Fischers Verhalten im Streit zwischen Bruno Kreisky und Simon Wiesenthal. Als Klubobmann hatte er damals einen Untersuchungs-Ausschuss gegen den Nazi-Jäger befürwortet. Entschuldigt hat sich Fischer dafür nicht, meinte aber zuletzt, heute würde er anders und reifer handeln.

Dr. jur.

Fischer wurde am 9. Oktober 1938 in eine sozialdemokratische Familie hinein geboren. Sein Vater, Rudolf Fischer, war von 1954 bis 1956 Staatssekretär im Handelsministerium in der Regierung Raab/Schärf. Die Schule besuchte Heinz Fischer in Wien, 1961 promovierte er zum Dr. jur., 1993 wurde er "Ordentlicher Universitätsprofessor". Nach seiner Gerichtspraxis kam Fischer als Jurist in den Klub der SP-Parlamentarier. 1963 bis 1975 war er Sekretär des Klubs, dann Geschäftsführender Klubobmann, Minister für Wissenschaft und Forschung von 1983 bis 1987 und Klubchef (1987-1990). 1971 wurde er Abgeordneter, 1990 zum Nationalratspräsidenten gewählt.

1972 übernahm Fischer daneben die Präsidentschaft der "Naturfreunde Österreichs". Der Verfassungsexperte Fischer ist außerdem Mitglied des Parteivorstands und des Parteipräsidiums der SPÖ sowie seit November 1979 einer der Stellvertretenden Bundesparteivorsitzenden.

"Kronprinz des Sonnenkönigs"

Als sich Anfang der achtziger Jahre das Ende der Ära Kreisky abzuzeichnen begann, zählte Fischer neben Leopold Gratz und Karl Blecha - Hannes Androsch musste im Januar 1981 aus allen politischen Ämtern ausscheiden - zu den prominentesten "Kronprinzen" des "Sonnenkönigs". Als Kreisky 1983 die neuerliche absolute Mehrheit versagt blieb und er daraufhin zurücktrat, ging die SPÖ eine Koalition mit den Freiheitlichen ein, in der Heinz Fischer Minister wurde.

Autor

Fischer ist Autor zahlreicher politikwissenschaftlicher und historischer Sachbücher, wie etwa "Das politische System Österreichs" (1975) und "Die Kreisky-Jahre" (1993). Mittlerweile legte Heinz Fischer auch seine Memoiren unter dem Titel "Reflexionen" (1998) vor, zuletzt hat er unter dem Titel "Wende-Zeit" die vergangenen drei Jahre beschrieben. Fischer hat die Grundsatzkonzepte der SPÖ, aber auch die Reform der Geschäftsordnung des Nationalrats federführend mitgestaltet.

Er ist verheiratet und Vater zweier Kinder. (APA)

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    1995: Fischer zwischen Waldheim und Klestil

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    1995: Fischer mit Simon Wiesenthal

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    1996: Fischer mit Arafat

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    1999: Fischer mit Schafen

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    1970: Fischer mit Kreisky

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    1941: Fischer mit Milchgesicht

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