Alles nur geklaut?

23. Jänner 2004, 12:40
posten

Marmor-Kopf von Kaiser Trajan bei Christie's und gotische Marienstatue aus Niederösterreich bei Münchner Kunstmesse aufgespürt

New York - Das US-Auktionshaus Christie's hat einen von einem Linzer eingebrachten Marmor-Porträtkopf des römischen Herrschers Trajan trotz Diebstahlsvorwürfen versteigert, das Werk aber dem Käufer zunächst nicht übergeben. Dies teilte eine Sprecherin in New York am Freitag mit. Sie bestätigte, dass die US-Staatsanwaltschaft während des Auktionsverfahrens an Christie's herangetreten sei. Allerdings habe die Behauptung, dass es sich bei dem Marmor-Porträtkopf um ein gestohlenes Werk handle, nicht unmittelbar erwiesen werden können.

Der Marmor-Porträtkopf des römischen Herrschers Trajan werde derzeit von Christie's bis zur weiteren Klärung des Sachverhalts in New York verwahrt. Nähere Angaben zum Anbieter des angeblich gestohlenen Werks machte die Sprecherin nicht.

Die Nachrichtenagentur Reuters hatte zuvor gemeldet, die US-Behörden hätten die Poträtkopf beschlagnahmt, der im Jänner 1998 aus einem Lager des Kapitol-Museums in Rom gestohlen und am 11. Dezember 2003 bei Christie's für 276.300 Dollar (218.678 Euro) versteigert worden sei. Nach Angaben in den Gerichts-Unterlagen sei das Bild von einem Sammler aus Linz bei Christie's in New York eingebracht worden. Die Aktion sei auf Ersuchen der italienischen Behörden erfolgt. Der österreichische Sammler, der in den Gerichtsunterlagen nicht namentlich identifiziert ist, habe gegenüber Christie's angegeben, das Kunstwerk von seinem Vater geerbt zu haben, der es 1932 in München gekauft habe.

Sakrales Diebesgut

Nach 32 Jahren kehrt eine wertvolle gotische Marienstatue aus dem 15. Jahrhundert in die Pfarrkirche Leobendorf (Bezirk Korneuburg) zurück. Laut Berichten der Erzdiözese Wien war das bedeutendste Werk des Meisters Jakob Kaschauer - eine 112 Zentimeter große Holzskulptur - 1972 gestohlen und im Oktober 2003 zufällig im Rahmen einer Routinekontrolle der Kripo auf einer Kunstmesse in München wiederentdeckt worden.

Die für den Rückkauf notwendigen 50.000 Euro wurden von der Gemeinde Leobendorf, der Erzdiözese Wien und dem Land Niederösterreich aufgebracht. Der "Heimholung" der Statue geht eine wahre Odyssee voraus: Zuletzt war das Kunstwerk im Besitz eines Amsterdamer Antiquitätenhändlers, der sie vor fünf Jahren rechtmäßig beim Auktionshaus Sotheby's in New York erworben hatte - um 50.000 Dollar. Der Händler habe bei der Messe in München bereits einen Interessenten gefunden, der bereit gewesen war, 80.000 Euro auszugeben.

Vergleich

Rasches Handeln aller Beteiligten verhinderte schließlich den Verkauf im letzten Moment. Nach dem Verdacht der Münchner Kripo reiste der frühere Leobendorfer Pfarrer Johann Pointner sofort nach Bayern und identifizierte die Madonna mit Hilfe von mitgebrachten Fotos zweifelsfrei. Es wurde eine einstweilige Verfügung erlassen, die alarmierte Wiener Diözesankonservatorin verhandelte mit dem Amsterdamer Händler, der sich schließlich zu einem Vergleich in der Höhe von 50.000 Euro bereit erklärte.

Die Statue aus Nussholz stellt die Muttergottes als neue Eva dar. Sie hält das nackte Jesuskind im Arm, dieses wiederum einen Apfel als Symbol für den Sündenfall der Menschen. Die ursprünglichen Farben der Statue sowie das Blau des Kleides und das Gold der Kapuze Marias sind nach dem Diebstahl verschwunden. Der genaue Termin der feierlichen Inthronisation der Skulptur soll laut Erzdiözese Wien in den nächsten Tagen bekannt gegeben werden. (APA/Reuters)

Share if you care.