Ebadi warnt Westen

22. Jänner 2004, 14:51
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Friedensnobelpreisträgerin eröffnet Weltsozialforum in Bombay

Bombay - Die Bewegung der GlobalisierungskritikerInnen hat sich auf dem Weltsozialforum in Bombay um eine verstärkte Vernetzung mit Friedensinitiativen bemüht. Die Botschaft des Forums sei es, dass Krieg nicht toleriert werden könne, sagte am Sonntag der ehemalige US-Justizminister Ramsey Clark. In mehreren Interviews am Rande des Sozialforums kritisierte die iranische Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi dabei die USA.

So wies Ebadi Vorwürfe der US-Regierung zurück, wonach Teheran eine Atombombe entwickeln soll. "Der Iran braucht keine Atombombe", meinte die Rechtsanwältin. Washington habe ähnliche Vorwürfe gegen den Irak erhoben, dort seien aber bisher keine Massenvernichtungswaffen gefunden worden.

"Clash of Cultures"

Den Westen warnte Ebadi vor einer einseitigen Beurteilung der muslimischen Welt. Die Theorie vom "Clash of Cultures", vom Zusammenprall des Westens mit der islamischen Welt, sei eine gefährliche Vorstellung, sagte sie. "Seit diese Theorie an amerikanischen Universitäten gelehrt wird, haben sie angefangen, Krieg zu rechtfertigen."

Im Streit um den Ausschluss von ReformpolitikerInnen von der Parlamentswahl in Iran hält Ebadi einen massiven Wahlboykott für möglich. "Das iranische Volk will friedliche Änderungen", sagte sie. "Sollte die Wahl unfair und unfrei sein, dann ist es zivilisiert genug, um nicht gewalttätig zu reagieren. Es wird die Wahl boykottieren und auf diese Weise dem iranischen Regime die Legitimität absprechen." (AP, dpa, DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 19.1.2004)

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