Flüchtlingshelferin will Rehabilitierung

21. Jänner 2004, 19:28
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Schweiz: Aimee Stitelmann hatte im Zweiten Weltkrieg jüdische Flüchtlinge gerettet und war zu Arrest verurteilt worden

Bern - Die Genfer Flüchtlingshelferin Aimee Stitelmann will rehabilitiert werden. Die heute 79-jährige Jüdin hatte im Zweiten Weltkrieg etwa 15 Juden zur Flucht in die Schweiz verholfen, bevor sie selbst an der Grenze festgenommen und verurteilt wurde. Als erste will sie nun eine neue Rehabilitierungsmöglichkeit im Gesetz nutzen.

Stitelmann hatte von 1942 bis 1945 jüdische Flüchtlinge, darunter Kinder, aus dem besetzten Frankreich in die Schweiz gebracht und sie damit vor dem wahrscheinlichen Tod gerettet. Mit Einfallsreichtum und Mut gelang es der damals 20-Jährigen, die Zöllner zu überlisten, von Genf nach Frankreich auszureisen und die Flüchtlinge danach im Zug oder über die grüne Grenze in die Schweiz zu bringen, wie sie am Dienstag sagte.

Um die Flüchtlinge in Frankreich abzuholen, sei sie zum Beispiel zu einem Zollhäuschen gegangen und habe dort vorgegeben, sie wolle in die Schweiz einreisen. Der Zöllner habe ihr dies verboten und sie stattdessen nach Frankreich geschickt.

Arrest

1945 wurde Stitelmann bei einem Ausreiseversuch verhaftet. Sie wurde von einem Militärgericht zu 15 Tagen Arrest verurteilt. Dieses Urteil soll die neu geschaffene parlamentarische Kommission für die Rehabilitierung von Flüchtlingshelfern nun aufheben.

Neben Stitelmann sollen weitere Flüchtlingshelfer rehabilitiert werden. Die Paul-Grüninger-Stiftung nannte die Namen von 26 Menschen, für die sie eine Rehabilitierung verlangt hat. Diese Flüchtlingshelfer hätten unter Lebensgefahr Tausende Menschen gerettet und seien dafür in der Schweiz verurteilt worden, sagte der Historiker Stefan Keller. (APA/AP)

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