Italien: Jüdische Gemeinde besorgt über zunehmenden Antisemitismus

17. Jänner 2004, 10:21
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Laut Umfrage erliegen rund 34 Prozent der Bevölkerung dem Revisionismus und Antisemitismus

Rom - Eine Umfrage des italienischen Meinungsforschungsinstituts Eurispes hat in der jüdischen Gemeinschaft Besorgnis ausgelöst. 34 Prozent der Befragten waren der Ansicht, dass die Juden auf okkulte Weise Finanz, Wirtschaft und Medien kontrollieren, ergab die am Freitag von der römischen Tageszeitung "La Repubblica" veröffentlichte Umfrage. Elf Prozent behaupten, dass der Holocaust weniger Opfer verursacht habe, als offiziell in den Geschichtsbüchern angegeben wird. Über 30 Prozent meinen, dass die jüdische Gemeinde die politische Beschlüsse der USA beeinflusst.

Kritisch zeigten sich die Italiener gegenüber der Politik der israelischen Regierung. 36 Prozent behaupteten, dass die Regierung von Ministerpräsident Ariel Sharon für einen Völkermord unter der Palästinensern verantwortlich sei. Sharon verhalte sich wie die Nazis, hieß es. 74 Prozent meinten, dass die Regierung Sharon zwar große Fehler mache, die Selbstmord-Attentate auf palästinensischer Seite jedoch unannehmbar seien.

Anwachsen des Antisemitismus

30,9 Prozent der Befragten dagegen waren der Ansicht, das Verhalten der Regierung Sharon sei korrekt, weil sie sich vor den Selbstmordattacken in Schutz nehmen müsse. 65,4 Prozent der Befragten gestanden dem israelischen Staat ein Existenzrecht zu. 26 Prozent meinten, dass Israel an der Seite eines palästinensischen Staates existieren sollte. 5,8 Prozent beantwortete die Frage nicht.

Der Präsidenten der jüdischen Gemeinschaft in Italien, Amos Luzzatto, reagierte besorgt auf die Umfrage. "Auch in Italien kann man ein deutliches Anwachsen des Antisemitismus feststellen, das auf mangelnde Kenntnisse der Geschichte und der jüdischen Kultur zurückzuführen ist", sagte Luzzatto. (APA)

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