Afghanistan: Frauen erneut vom Bildschirm verbannt

18. Jänner 2004, 14:44
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Nach Protest von Oberstem Gerichtshof zeigt das Fernsehen keine Sängerinnen mehr - Programmdirektor: Zeit noch nicht reif dafür

Kabul - Als Reaktion auf Proteste des Obersten Gerichtshofs in Afghanistan hat das staatliche Fernsehen zugesagt, in nächster Zeit keine Bilder von Sängerinnen mehr auszustrahlen. Der Programmdirektor von Kabul-TV, Azizullah Arjanfar, sagte am Freitag, die "derzeitigen Bedingungen" seien dafür noch nicht reif. Der Sender hatte am Montag erstmals seit mehr als zehn Jahren altes Filmmaterial mit der afghanischen Sängerin Salma gezeigt. Die fünfminütige Darbietung, bei der die in den 70er und 80er Jahren als Star gefeierte Sängerin nur einen einfachen Tüllschleier trug, brachte die sittenstrengen Richter auf. Die Höchstrichter forderten, im Fernsehen keine singenden und tanzenden Frauen mehr zu zeigen.

Die für Frauenfragen zuständige Ministerin Habiba Sorabi kritisierte die Einmischung des Obersten Gerichts. Die ausgestrahlten Bilder seien weder "gegen die afghanische Kultur gerichtet" noch "antiislamisch" gewesen. Die Frauenrechtlerin Soraya Parlika wies darauf hin, dass die Große Ratsversammlung (Loya Jirga) erst zu Jahresbeginn eine Verfassung verabschiedet habe, in der die Gleichberechtigung der Geschlechter festgeschrieben sei. Der Vorstoß des Gerichts verstoße gegen die Menschenrechte und gegen die Verfassung. (APA/AFP)

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