Streik bei Alitalia

20. Jänner 2004, 10:06
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364 Flüge bei gestrichen - Angestellte der krisengeschüttelten Airline protestierten vor Ministerium

Rom - Wegen eines Streiks der Bediensteten der krisengeschüttelten Fluggesellschaft Alitalia sind am Montag 364 Flüge gestrichen worden. Das Personal der italienischen Airline legte von 10.00 bis 18.00 Uhr die Arbeit nieder. Bei zahlreichen Flügen mussten die Passagiere zu Verspätungen oder Zeitänderungen hinnehmen. Betroffen waren insgesamt 18.000 Fluggäste.

In Rom wurden 188 Flüge gecancelt, in Mailand waren es 181. Fast leer waren die Flughäfen am Montag. Nur einige Ausländer, die über den Streik nicht informiert waren, warteten Stunden lang in den Hallen auf ihren Flug. Österreich war von dem Ausstand ebenfalls betroffen: Zwei Maschinen der Alitalia - aus Mailand mit ursprünglich geplanter Ankunft um 15.40 Uhr und aus Rom mit geplanter Ankunft um 14.45 Uhr in Schwechat - blieben am Boden.

Kundgebung

Rund 3.000 Bedienstete der Gesellschaft nahmen am Montag vor dem Sitz des römischen Finanzministeriums an einer Kundgebung gegen den Sanierungsplan Alitalias teil, der die Streichung von rund 2.700 Arbeitsplätzen vorsieht. Die Aktivisten sorgten für Chaos im Stadtzentrum. "Hände weg von Alitalia", lautete der Slogan der Demonstranten, die das Alitalia-Management beschuldigen, die Fluggesellschaft zerstückeln zu wollen. Das Ministerium - und damit der Staat - ist noch Mehrheitsaktionär an der Airline, die in den kommenden Monaten privatisiert werden sollte.

Das Personal protestiert insbesondere gegen Verzögerungen bei den Verhandlungen um den Sanierungsplan. "Das Personal kann nicht allein für den Krisenzustand bei Alitalia zahlen", betonte der Chef des Gewerkschaftsverbands Ugl, Roberto Panella. Die Krise könne nicht mit massiven Personalkürzungen, sondern mit Investitionen bewältigt werden, meinten die Gewerkschaften. Sie kritisierten Fehlbeschlüsse des Alitalia-Managements in den vergangenen zwei Jahren und forderten den Eingriff der Regierung gegen die massivsten Stellenkürzungen seit Jahren bei der Gesellschaft.

Investitionen

Neben dem Personalabbau plant Alitalia im Rahmen des Sanierungsplans für die nächsten drei Jahre Investitionen in der Höhe von 1,2 Mrd. Euro zur Erneuerung der Flotte. 2004 hofft die Gesellschaft, ihre Bilanzen in Ordnung zu bringen, was 2005 zur finanziellen Stabilität führen sollte, hieß es. Bis 2006 will Alitalia ein operatives Ergebnis (Ebitda) von 15 bzw. 17 Prozent vorweisen und ihr Angebot an Flügen um jährlich neun Prozent aufstocken. Zugleich plant Alitalia, ihre Führungsposition auf dem italienischen Markt zu konsolidieren und will dabei vor allem auf die Entwicklung der Hubs von Mailand-Malpensa und Rom Fiumicino setzen.

Alitalia-Geschäftsführer, Francesco Mengozzi, ist überzeugt, dass die Airline die schwierige Krise bewältigen kann. "Alitalia hat die Energie und den Willen, um die Krise zu überwinden und weiterhin eine wichtige Rolle auf internationaler Ebene zu spielen", sagte Mengozzi. Die Umsetzung des Sanierungsplans sei notwendig, damit Alitalia in der neuen Holding aus Air France und KLM, der die italienische Fluggesellschaft beitreten will, Gewicht haben könne.

Streikaktionen des Alitalia-Personals sind seit Monaten beinahe an der Tagesordnung. Bereits vor zwei Wochen hatte Alitalia wegen eines Fluglotsenstreiks mehr als 300 Flüge streichen müssen. Am Freitag war es zu einer spontanen Demonstration des Alitalia-Personals in Rom gekommen. Ein weiterer Protest im Flugbereich ist am 9. Februar zu erwarten. Die Alitalia-Piloten wollen 24 Stunden lang die Arbeit niederlegen. Am 20. Februar ist ein vierstündiger Streik der Fluglotsen von 12.00 bis 16.00 Uhr vorgesehen. (APA)

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