Standard.at - Leser als vehemente Nichtraucher enttarnt

20. Jänner 2004, 10:09
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Die Gastronomie lehnt die EU-Rauchverbots-Idee in Lokalen ab, ginge es nach unseren Lesern, hätten Raucher nur mehr wenig zu genießen - Mit Umfrage

Wien - Österreichs Gastronomie begegnet der Idee von EU-Verbraucherkommissar David Byrne, ein europaweites Rauchverbot in Gaststätten und Restaurants einzuführen, mit teilweise heftiger Kritik und zweifelt an der Sinnhaftigkeit von generellen Nichtraucher-Lokalen. "Wir sind nicht in New York", sagte Steirereck-Chef Heinz Reitbauer senior, "wir müssen nicht jeden Blödsinn der Amerikaner nachmachen."

Ganz anders die standard.at - Leserschaft: Vollkommen unerwartet und ohne wirkliche Erklärung für die Redaktion befürwortet in einer Umfrage, ein überwiegender Teil die radikalen EU-Überlegungen gegen bestehende Raucherfreiheiten. Ginge es nach vielen standard.at-Lesern hätten Raucher in Österreich nicht mehr viele Möglichkeiten Zigaretten an sozialen Gemeinplätzen zu genießen. (siehe Umfrage)

Eu forciert rauchfreie Arbeitsplätze

Byrne hatte in einem Interview mit der "Welt" gemeint: "Es geht um die Frage, ob wir rauchfreie Arbeitsplätze einführen wollen. Das umfasst dann auch Jobs in Bars oder Restaurants." Die Brüsseler Behörde überlege, ob sie das Rauchverbot europaweit durchsetzen wolle. Alternativ könne eine entsprechende Regelung auch in der Verantwortung der Mitgliedstaaten bleiben, so Byrne.

Nichtraucher- und Raucherbereiche

"In vielen Restaurants und Lokalen gibt es ohnehin schon Nichtraucher- und Raucherbereiche, diese Regelung halte ich für ausreichend", sagte Helmut Mayr, Spartenobmann für Tourismus und Freizeitwirtschaft in Salzburg und Betreiber des Hotel Elefant in Salzburg. Berndt Querfeld, dem in Wien u.a. das Cafe Landtmann, das Cafe Residenz in Schönbrunn und das Australian Pub Crossfields gehören, hat in keinem seiner Lokale Nichtraucherbereiche. "Wir hatten einmal einen Raum für Nichtraucher im Landtmann, aber er hat sich immer als Letzter gefüllt. Milde geschätzt, fragen vielleicht fünf Prozent unserer Gäste nach einem Bereich, wo nicht geraucht wird. Der Nichtraucher setzt sich immer zum Raucher."

Genusstempel und keine Kirche

Heinz Reitbauer will im Fall, dass das generelle Rauchverbot gesetzlich vorgeschrieben wird, dagegen ankämpfen: "Ich werde mich dagegen wehren, solange es geht und auch zehn Mal oder öfter Strafe bezahlen. Wir sind ein Genusstempel und keine Kirche." Im Steirereck ist es Usus, dass nach der Vorspeise nicht am Esstisch dem Zigarettengenuss gefrönt werden darf. Die rauchenden Gäste werden dann höflich in die Bar gebeten. Reitbauer: "Aber nach 23.00 Uhr darf auch an den Tischen geraucht werden. Eine Zigarre nach dem Essen ist doch ein Genuss."

Flair

Die Einführung eines generellen Rauchverbots in der Gastronomie können sich weder Reitbauer noch Querfeld vorstellen. Der Landtmann-Chef glaubt sogar, dass damit der unverwechselbare Flair des Kaffeehauses verloren gehen würde. Realistisch betrachtet sei es aber sehr wahrscheinlich, so Querfeld, dass es in nächster Zukunft gesetzlich vorgeschriebene Nichtraucherbereiche geben werde. Kritischer Zusatz: "Die Frage ist nur, ob der Gesetzgeber mit diesem Wunsch dann nicht früher dran ist als der Konsument." (APA/red)

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    Im Steirereck darf nach 23.00 Uhr auch an den Tischen geraucht werden

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