Clarks Anti-Kriegshaltung im Zwielicht

19. Jänner 2004, 06:52
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Demokratischer Kandidat zur Herrschaft Husseins: "Man muss sich der Sache annehmen, denn die Uhr tickt"

Washington - Im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten ist Ex-General Wesley Clark durch Dokumente zu seiner Haltung im Irak-Konflikt in Erklärungsnot geraten. Clark hat im Wahlkampf stets betont, er sei gegen den Krieg im Irak gewesen. Die regierenden Republikaner veröffentlichten nunmehr indes Auszüge von Aussagen Clarks vor Ausschüssen des Kongresses, in denen er der Anwendung von Gewalt gegen die Herrschaft Saddam Husseins offenbar das Wort redete. In New Hampshire, wo am 27. Jänner Vorwahlen der Demokraten stattfinden, warf Clark am Donnerstag den regierenden Republikanern vor, die Aussagen aus dem Zusammenhang gerissen zu haben, um seiner Kandidatur zu schaden.

"Dieses Material ist von dem Nationalkomitee der Republikaner ausgegraben worden. Sie hätten die gesamte Aussage lesen sollen, denn sie widerlegt die Position (Präsident George W.) Bushs total", sagte Clark auf einer Pressekonferenz in Manchester. Aus den auf der Website des Komitees veröffentlichten Dokumenten geht hervor, dass der frühere Nato-Kommandant vor dem Streitkräfteausschuss des Repräsentantenhauses im September 2002 Saddam als Bedrohung bezeichnete. Er besitze bereits chemische und biologische Waffen und strebe nach der Atombombe.

"Man muss sich der Sache annehmen, denn die Uhr tickt"

"Man muss sich der Sache annehmen, denn die Uhr tickt", sagte Clark demnach sechs Monate vor der US-geführten Invasion im Irak, die ohne ausdrückliches Mandat der Vereinten Nationen erfolgte. Clark verwies bei seiner Aussage zudem auf den von ihm geführten NATO-Militäreinsatz im Kosovo-Krieg als Beispiel dafür, dass ein US-Präsident auch ohne Zustimmung der UNO militärische Maßnahmen einleiten könne.

Clark warf den Republikanern vor, hinter den Veröffentlichungen stecke reines Wahlkalkül: "Offenbar haben sie schließlich kapiert, dass ich die größte Bedrohung für George Bush bin." Clark hatte zuletzt in Umfragen auf den aussichtsreichsten demokratischen Konkurrenten Howard Dean aufgeschlossen. Clark lag in einigen Befragungen nur noch fünf Prozentpunkte hinter dem Favoriten. Bei den ersten offiziellen Vorwahlen der Demokraten in Iowa am Montag tritt Clark indes nicht an. (APA/Reuters)

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