Haslauer: Salzburg muss Juwel bleiben

22. Jänner 2004, 17:27
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VP-Newcomer spricht sich für Wirtschaftspolitik ohne Benachteiligung sozial schwacher aus

Salzburg - Mehr als 200 Salzburger Interessierte des "Seebrunner Kreis", ein Verein zur Förderung des Wirtschaftspolitischen Wissens, lauschten am Donnerstag Abend gespannt den politischen Versionen von Rechtsanwalt Wilfried Haslauer, der im Falle eines Wahlsieges der ÖVP dem jetzigen Landeshauptmann Franz Schausberger innerhalb der nächsten Legislaturperiode nachfolgen soll. Salzburg müsse ein Juwel bleiben und dürfe nicht zur Touristenidylle verkommen, warnte Haslauer in einer emotionalen Rede.

Der Quereinsteiger nannte bei seinem achten öffentlichen Auftritt seit Bekanntgabe seiner Kandidatur für die Landtagswahl am 7. März die Eckpunkte seiner "Entscheidung für Salzburg": Er stehe für eine Wirtschaftspolitik, die nicht zum Selbstzweck verkomme, sondern dem Menschen diene und dessen Leistung belohne. Ziel sei ein breiter Wohlstand in der Bevölkerung, wobei die sozial Schwachen nicht vergessen werden dürften.

Haslauer sprach sich entschieden gegen den Verkauf von Firmen sowie Unternehmenszusammenschlüsse aus. Niemand könne erzählen, dass es gut für Salzburg sei, "wenn Entscheidungen in andere Länder getragen werden". Die Klein- und Mittelbetriebe seien der Motor der Wirtschaft, und "diese können für Vollbeschäftigung sorgen". In die Ausbildung der Mitarbeiter müsse weiter investiert werden, bekräftigte der politische Newcomer.

Mit Kritik sparte Haslauer auch nicht an der eigenen Partei: "Es war ein schwerer Fehler, dass sich die ÖVP nie dem Verkehrsressort angenommen hat." Der Befürworter der zweiten Tauern- und Katschberg-Tunnelröhren entlang der A 10 appellierte, die "Grenzen in den Köpfen zu öffnen". "Wir brauchen einen grenzüberschreitenden Finanzausgleich und eine Raumordnung, um Betriebe etwa nach Bayern auszusiedeln.

In einem nostalgischen Rückblick an die Nachkriegsgeneration "unserer Eltern und Großeltern", die die Hoffnung nicht verloren und die Trümmer wieder aufgebaut hätten, verglich Haslauer den Mut und die Zuversicht, die in der Politik wieder gefragt seien. Unterstützung im Wahlkampf erhält Haslauer von seiner Gattin Susan, Mutter seines dreijährigen Sohnes, die ihn zu vielen öffentlichen Auftritten begleitet und "zu Hause dafür sorgt, dass er sich noch genug Zeit zum Essen nimmt".

Nicht ungeschoren kam die Spitzenkandidatin der SPÖ, LHStv. Gabi Burgstaller davon. An ihre Adresse war wohl die Aussage Haslauers gerichtet, als er meinte, Salzburg brauche eine politische Führung, die Ziele habe. Es werde nicht ausreichen aufzuzeigen, wie lange und für wie viel Geld das Staubsaugen an Tankstellen möglich sei.

Dass die Rahmenbedingungen der ÖVP für die bevorstehende Wahl nicht einfach seien, betonte Rudolf Bretschneider vom Fessel-GfK-Marktforschungsinstitut. Dazu beigetragen hätten nicht unwesentlich die rufschädigenden Gerüchte bezüglich der Ehe von Franz Schausberger. Von einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen ÖVP und SPÖ, das zu Lasten von FPÖ und Grüne gehen könnte, sei diesmal "tatsächlich der Fall". Die Ankündigung vom Einstieg Haslauers in die Politik habe zur Belebung beigetragen. Dass fünf Tage danach 90 Prozent der Salzburger über seine Kandidatur bescheid wussten, sei für ihn selbst überraschend gewesen, sagte Bretschneider. Mehr als 45 Prozent der Befragten werteten diese Entscheidung positiv. Eine Wahlprognose abgeben wollte der Meinungsforscher nicht. Er räumte allerdings ein, dass "mit 30 Prozent ein Drittel der Wähler noch nicht wissen, wen sie wählen". Sie würden ihre Entscheidung erst in den vergangenen beiden Wochen vor der Wahl fällen. (APA)

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