Konkurs Safaripark: Sämtliche Tiere bleiben in Gänserndorf

16. Jänner 2004, 19:37
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Land Niederösterreich finanziert Futter für die nächsten sechs Monate - Pharmafirma Baxter und Zoodirektor Pechlaner sehen Chancen

Der Safaripark muss Konkurs anmelden, doch gerade dies heizt Spekulationen über einen Neustart an: Das Land Niederösterreich finanziert Futter für die nächsten sechs Monate, die Pharmafirma Baxter und Zoodirektor Helmut Pechlaner sehen Möglichkeiten.

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Gänserndorf/Wien/St. Pölten - Das Aus für den Safaripark unter seiner bisherigen Leitung berge Chancen für einen Neubeginn, ist Helmut Pechlaner, Direktor des Schönbrunner Tiergartens, überzeugt: "Mit einer neuen, professionelleren Geschäftsführung als der bisherigen würden wir eng zusammenarbeiten", sagt er.

"Wir", das ist in diesem Fall die Ozo, die Österreichische Zoo Organisation, für deren Zoologen und Veterinäre "die Verschickung der Tiere in andere Tiergärten eine schlechte Lösung wäre". Das ist aber auch Pechlaner selber, der sich im STANDARD-Gespräch Gedanken über "eine Kooperation des Safariparks mit den nahe gelegenen Marchfeldschlössern im Interesse des Tourismus in der Region" macht.

Gemeinsame Werbestrategie

In diesem Fall, so betont er, sei "eine gemeinsame Werbestrategie nötig". In Schloss Niederweiden und Schloss Hof ist der mit dem Zoo Schönbrunn so erfolgreiche Pechlaner für die Sanierung und Vermarktung zuständig.

In der Zeit bis zu einer allfälligen Weiterführungslösung indes, ab Konkursantrag vom Freitag, scheint das Auskommen für die 850 Safariparktiere gesichert zu sein. Am Donnerstag erklärte sich das Land Niederösterreich unter Federführung von Wirtschaftslandesrat Ernest Gabmann (VP) bereit, die Kosten für Futter im kommenden Halbjahr zu übernehmen.

Seit Monaten keine Löhne

Die 64 Tierbetreuer und Parkangestellten, die seit drei Monaten keine Löhne erhalten haben, würden - so Gabmann - ihr Geld bis dahin aus dem Insolvenzausgleichsfonds beziehen. Die Verschickung der Exoten in andere Zoos dürfte damit in den Hintergrund gerückt sein - als Ausweg für den "Fall der Fälle".

"Wir sind bereit, an den Masseverwalter 37.000 Euro Soforthilfe auszuzahlen", kündigt auch Peter Matejka von der Pharmafirma Baxter an. Baxter hat das international renommierte Primatenprojekt in Gänserndorf initiiert und mitfinanziert, welches ehemaligen Versuchsaffen einen artgerechten Lebensabend eröffnet.

Baxter: "Gesamtlösung"

Nun, so Matejka, denke man an ein umfassenderes Engagement im Safaripark. Und zwar im Rahmen einer "Gesamtlösung für das ganze Projekt", das "allen Tieren im Park" eine Zukunft bieten" könne. Diesbezügliche Verhandlungen seien bereits im Gange.

Vom Verhalten der bisherigen Safariparkgeschäftsführung ist der Baxter-Sprecher "enttäuscht". Und nicht nur er: Errichtung und Umbau des Elefanten- und Tigergeheges seien äußerst "unprofessionell" erfolgt, kritisiert Christian Walzer, Tierarzt im Salzburger Zoo.

Anregungen für Verbesserungen

Walzer hat vergangenen Sommer im Auftrag der European Association of Zoos and Aquarias (EAZA) ein Gutachten mitverfasst, dem zufolge Pfleger in den Gehegen ihr Leben riskierten: "Am Rand des Tigergeheges etwa ist ein Zaun in Prankenhöhe nur mit Draht befestigt", erläutert er. Peter Scheifinger, Architekt und bisheriger Vorstand der Safaripark GesmbH, widerspricht: Das EAZA-Gutachten enthalte "Anregungen für Verbesserungen" an den Tiergehegen, mehr nicht.

Die Baupläne für das Affen-und das Elefantenhaus habe er, Scheifinger, selber entworfen: "Ein von uns durchaus gewünschter Synergieeffekt." (Irene Brickner, DER STANDARD Printausgabe 16.1.2003)

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    Ein Schimpanse im Affenhaus Gänserndorf

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