Fall Cheibani: "Danach war es erstaunlich ruhig"

16. Jänner 2004, 11:22
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Teils widersprüchliche Aussagen zur Todesnacht von Cheibani W.

Wien - "Ich habe nur gemacht was von mir verlangt wurde", erklärt der junge Polizist auf die Frage, ob irgendjemand in der Nacht des 15. Juli 2003 die Vitalfunktionen des reglosen Cheibani W. überprüft habe. Er selbst habe in der Todesnacht des 33-jährigen Mauretaniers nur die Fußfesseln angelegt, schildert der Zeuge am Donnerstagvormittag vor dem Unabhängigen Verwaltungssenat (UVS) Wien.

Fixierung

Als der Beamte am Schauplatz der Tragödie vor dem Stadtpark eingetroffen war, sei der Mauretanier bereits von Polizisten und Sanitätern am Boden fixiert gelegen, erzählt er weiter. "Gegenwehr habe ich keine wahrgenommen." Auch Schreie seien nicht zu hören gewesen, präzisiert der Vertreter der Staatsmacht gegenüber UVS-Verhandlungsleiter Wolfgang Helm, der in diesem Verfahren prüfen muss, ob bei der Amtshandlung die Menschenrechte verletzt worden sind. Jene sechs Polizisten, die im Dezember ihre Aussage verweigert hatten, schwiegen auch am Donnerstag.

Sauerstoffmangel

Dass die Fixierung einer Person in Bauchlage lebensgefährlich werden kann oder es zu "Sauerstoffmangel mit narkoseähnlichen Erregungszuständen kommen kann, die jedoch nicht unbedingt als Aggressionshandlung fehlgedeutet werden dürfen", wie in einem Erlass des Innenministeriums aus dem Jahr 2000 zu lesen ist, hat der Zeuge erst "aus Presseberichten erfahren."

Während auch eine weitere Polizistin, die später eingetroffen ist, nichts von einer Gegenwehr bemerkt hat, behauptet ein ebenfalls gestern befragter Sanitäter, Cheibani W. habe sich selbst dann noch heftig aufgebäumt, als bereits ein Menschenknäuel über ihm war und er eine Beruhigungsspritze bekommen habe.

Kehlige Schreie

Einen "Tumult" hat auch eine unbeteiligte Anrainerin gehört. Zuvor hatte sie beobachtet, wie der Mauretanier vor den anwesenden Polizisten herumgesprungen ist. Er habe dabei zwar "nervös und eigenartig", aber nicht aggressiv gewirkt, Körperkontakt zwischen Beamten und Cheibani W. gab es keinen.

Sie ging wieder zu Bett, als sie nach einer Weile einen Mann mehrmals empört "Diese Sau!" rufen hörte. Darauf seien kurze, kehlige Schreie, vermutlich von Cheibani W., zu hören gewesen. "Danach war es erstaunlich ruhig", schildert die Frau das Ende der Amtshandlung. (moe, DER STANDARD Printausgabe 16.1.2004)

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