Outsourcing bei Banken in Zentraleuropa

20. Jänner 2004, 15:00
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Die erste Welle von Akquisitionen, bei der sich EU-Banken in Institute in Zentraleuropa einkauften, ist gelaufen - Jetzt werden im Rahmen von IT-Investitionen die Erwerbungen in die Konzerne eingegliedert

Wien - "Die größten Banken in Zentraleuropa sind bereits von ausländischen Instituten dominiert. Die einzige Ausnahme ist Ungarn", sagt Martin Löffler, Direktor des Geschäftsbereiches Financial Services CEE beim IT-Dienstleister Unysis, Dementsprechend beobachtet er, wie all die Technologien, die bei den übernehmenden Instituten für eine höhere Eigenkapitalrendite sorgen, auch bei den Neuerwerbungen Einzug halten.

Konzentration aufs Kerngeschäft

Als einen wichtigen Trend dabei nennt er Outsourcing, also das Auslagern von Unternehmensaktivitäten mit dem Ziel der Konzentration auf das Kerngeschäft. Allerdings warnt er davor, en bloc alles an einen Generalisten zu überantworten: "So wird man nicht den besten Return bekommen", meint er. Besser sei es "to slice the elephant first" - das Unternehmen und seine Aktivitäten aufzusplitten, wie es im Zuge von "Produktionskettenaufbau" sowieso geschehen muss.

In diesem Lichte ist beispielsweise die Ankündigung der Bank Austria zu sehen, die Wartung der dezentralen IT-Infrastruktur künftig der Siemens Business Services (SBS), der IT-Dienstleistungstochter der Siemens AG Österreich, zu überantworten. Zunächst nur im Inland, ist dies in der Folge auch für die Osttöchter der BA-CA, die in elf Ländern vertreten ist, geplant.

Aufbau von Datenbanken

Der Aufbau von Datenbanken ist ein weiterer wichtiger Schritt, um künftig überhaupt Customer-Relationship-Management-Systeme einsetzen zu können, weiß Löffler. Das Erhöhen von Kundenservice sei dabei das Ziel, schließlich bringe es die Aufbruchstimmung bei den Nachbarn mit sich, "dass mehr verdient und mehr ausgegeben wird".

In vielen Fällen ist der Markt noch wenig entwickelt: So haben beispielsweise in Ungarn nur 40 Prozent der Bevölkerung überhaupt ein Bankkonto.

Allerdings geht die Anpassung an westliche Standards mit Riesenschritten voran: Erstens, weil regulatorische Auflagen wie das Kreditrisikomanagement Basel II oder eine Geldwäscheprävention auch in den osteuropäischen Staaten gelten werden. Und zweitens, weil die viel versprechenden Finanzkennzahlen durch eine gute Performance der Töchter fortgeschrieben werden sollen: Derzeit liegt die Eigenkapitalrendite (Return on Equity, ROE) in den Ländern signifikant über vierzehn Prozent. Zum Vergleich: In Österreich versucht man, zwischen zehn und zwölf Prozent zu erwirtschaften. Löffler: "Da braucht es eine höhere Geschwindigkeit im Berichtswesen."

Rasche Zusammenführung

Bei Unisys, die eine ganze Reihe von Finanzinstituten als Kunde hat - Beispiel: BA-CA, Erste, RZB - sieht man bereits die nächste Welle an Übernahmen kommen. Die Institute, die bereits in Zentraleuropa vertreten sind, würden nun beginnen, noch weiter vorzudringen. Dabei, so Löffler, "werden die Banken ihr Augenmerk verstärkt auf all jene Prozesse richten, die dazu beitragen, dass eine Zusammenführung rasch über die Bühne geht". (Johanna Ruzicka, DER STANDARD Printausgabe, 16.1.2004)

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